Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Tennenbozen bei Wyler

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Region: Oberwallis
Kategorie: Sage

In Tenn hatten sich ein Bursche und ein Mädchen lieb und trafen sich öfter heimlich in einem abgelegenen Stadel. Als das Mädchen ein Kind gebar, warfen sie es in die Schlucht des Tennbachs, der tosend neben der Hütte zu Tal stürzte. Nicht erbarmte sie, dass das Kind schrie und flehte. im Rauschen des Baches ging das Schreien unter.

Der Frevel blieb verborgen und fand keinen Richter. Doch nach Jahr und Tag, nachdem die beiden Personen gestorben waren, mussten sie zur Strafe umgehen. Wenn die Hirten am Stadel vorbeigingen, sahen sie in Vollmondnächten zwei altväterisch gekleidete Personen aus dem Stadel treten, unter Wehklagen zum Bach gehen und sich ins Wasser stürzen. Nach einer Weile kehrten die beiden schlotternd zurück und verschwanden unter Klagen und Seufzen im Stall. Der Besitzer des Stadels fand dann des Morgens immer zwei Kühe an einer Kette zusammengebunden.

Das ging so lange Jahre. Schliesslich erbarmte sich ein Hirt der beiden Büsser und holte einen Pfarrer, der die Kraft besass, umgehende Geister zu bannen. Von da an kamen die beiden zur Ruhe, kein Mensch hat sie je wieder gesehen.

Aus: C. Englert-Faye: Schweizer Märchen, Sagen und Fenggengeschichten, Basel 1984

H. R. Niederhäuser (Hrsg.)

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch