Etwas von den Lötschern
Wäre das Pulver nicht längst erfunden, die Lötscher hätten es getan, denn sie sind erfindungsreiche Leute.
Es mangelte ihnen an Salz. Nach langem Werweissen hatte einer ihrer Räte einen glänzenden Einfall wie man billig zu Salz käme: man könnte Salzkörner säen!
Wie gedacht, so getan. Der Gemeindeacker wurde bestellt und vor versammeltem Rat streute einer Salz in die Furchen. Es gediehen aber nur Nesseln.
Im Spätsommer kam einer der Räte am Acker vorbei und verspürte auf einmal die Not, etwas zu verrichten. Da brannten ihn die Nesseln an den Hintern. Freudig eilte er ins Dorf zurück und rief: «Es ist geraten, es ist geraten! Das Salz tut schon rätzen!» Der Gemeinderat versammelte sich und die Mannen schritten bedächtig dem Acker zu und streckten vorsichtig prüfend die Hände in die Nesseln. Wie vom Blitz getroffen zuckten sie zurück. Meinte einer: «Ja, ja, drin wäre es schon, aber wie können wir es herausbekommen?»
Aus: C. Englert-Faye: Schweizer Märchen, Sagen und Fenggengeschichten, Basel 1984
H. R. Niederhäuser (Hrsg.)
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch