Die Schwarzkünstler und der Teufel
Einmal haben sieben fahrende Schüler aus dem Bündnerland sich zusammengetan, um miteinander nach Wittenberg zu reisen, dass sie allda auf der Hohen Schule die Schwarze Kunst studierten. Aber der oberste Herr und Meister aller schwarzen Kunst, der Teufel, hatte sich als Lohn ausbedungen: wenn sie ausgelernt hätten und Meister geworden wären, dann werde er nach dreien Tagen kommen und einen von ihnen heim in die Hölle holen. Aber welcher von ihnen das sein würde, das wusste keiner.
Als nun die lange Lehrzeit um war, und ein jeder sein Meisterstück geleistet und die Prüfung bestanden hatte, da ward es allen gar übel zu Mute, denn keiner wusste, ob der Böse nicht just ihn auswählen werde. Nur einer, der Jüngste, der immer als lustiger Schelm und listiger Schalk sich bezeigt hatte, war munter und wohlgemut wie immer. «Seid getrost, liebe Gesellen, und fürchtet euch nicht», sprach er. «Ich weiss einen Rat. Tut nur, wie ich sage, und keinem von uns wird ein Leides geschehen.»
Als nun der Tag gekommen war, wo der Teufel seinen Lohn sollte holen kommen, da stellten sich die sieben Gesellen hintereinander in einer Reihe auf, grad der Sonne zu, und der Jüngste stand zuhinterst. Da kam auch schon der Teufel an, packte den Ersten und rief: «Du bist wohl der, der mir gehört!» «Nein, der hinter mir!» antwortete dieser. Und so ging's fort von Mann zu Mann bis zum letzten. «Dann bist du's!» rief der Teufel und packte den Jüngsten am Kragen. Der aber rief unerschrocken: «Nein, der hinter mir!» Da liess der Böse ihn fahren und schlug seine Krallen in den Schatten, der hinter ihm am Boden lag, und fuhr damit unter grässlichem Gelächter geradeswegs zur Hölle.
So waren sie alle gerettet, aber der jüngste von den sieben Meistern ging sein Leben lang, auch im hellsten Sonnenschein, stets ohne Schatten.
Aus: C. Englert-Faye: Schweizer Märchen, Sagen und Fenggengeschichten, Basel 1984
H. R. Niederhäuser (Hrsg.)
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch