Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

S' Merli vom Funtechächeli

Land: Schweiz
Kanton: Zürich
Kategorie: Zaubermärchen

Es ist emal en arms arms Chindli gsi, de Vatter und d'Mueter sind em gstorbe-n-und do hät's müese bymene Vetter und by-n-ere Bäsi si, und di händ em wenig z'Ässe ge, und de ganz Tag hett's söle-n-uf sym Chämmerli spinne. Do isch es e Mal ganz trurig i sym Chämmerli gsässe und hät' gschroue! «Ach, wänn nu au myn liebe Vatter un my liebi Mueter na läbtet! Wie muesi au e so sträng schaffe-n-und na hungere dezue!» So hät's gschroue. Und wo' s eso schreit, so gaht t'Tür uf und ye chunt e herzigs chlyses, chlyses Fraueli und hät gseit: «Du liebs Chind, warum schreist?» Und do hät's dem Fraueli ales erzelt. Do seit das Fraueli: «Gsehst, das weiss ich alles scho, und ich weiss, dass du e guets Chind bist, und ich bi cho das i der hälfi. Gsehst, dä häst jez es Chörbli mitteme Tekel. Jez wännt' Hunger häst, und so lang nu dryine: dänn ist alimal es Weggli drin. Wänn t' aber e kei Hunger häst, se darfst nüd dryine lange. Und jez los: Ich heisse Funtechächeli. B'halt myn Name guet, i chume dänn i drei Tage wider und wännt' dann myn Name na weist, se bringi der es Redli, wo sälber spinnt, tänk nur dra!»

Do ist das Fraueli wider furt gange, und das Chind ist ganz eleinig blibe. Do häts tänkt: «Wän ich nu au de Name nüd vergisse!» Und das' s ne nüd vergässi, hät's de ganz Tag aliwyl vorem ane gseit: «Funtechächeli, Funtechächeli.» Z'letst isch es müed worde-n-und ist ygschlaffe. Und wo's erwachet morndess und ufstaht, so hät's de Name ganz vergässe gha und häte gar nüme chöne säge. Es hät si schier z'tod bsinet, und der ander Tag au, und z'letst isch es erschröckli trurig worde-n-und hät agfange schreie, wil es nüme gwüsst hät, wie das Fraueli heisst.

Jez am dritte Tag sitzed's zimbis bym !Ässe-n-und chömed d'Chnächt hei usem Holz, und do händ die Chnächt erzelt und gseit zum Meister und zur Meistere: «Wän ir au wüssted, was mir gseh händ!» Do säged's: «He, was wetted er gseh ha?» Do säged die Chnächt: «He nu: Z'mitzt im Holz usse ischt e runds, grüens Wisli, und i dem Wisli häd z'mitzine es Fürli b'brännt und es Häfeli deby, das hät gsotte-n-und deby zue ist e schrökli schöns Fraueli gstande - er chöned gar nüd glaube, was für e schöns, chlyses chlyses Fraueli das gsi ist -do hät's e Chele gna und hät i dem Häfeli grüehrt, und dänn isch es alewyl z'ringelum gange-n und hät gsunge:

«Süd, süd Häfeli, süd!

Schweiss, schweiss, Häfeli schweiss,

Wyl mys Chindeli nümme weiss,

das i Funtechächeli heiss.»

Meied ir, do hät das Chind gloset, wo's das ghört hät vo dene Chnächte. Jez hät's ja uf einmal wider gwüsst, wie das Fraueli heisst. Es hät si aber ganz still gha und hät keim Möntsche nüd gseit, und ist wider i sys Chämerli gange go spinne. Do zabig chunt das herzig Fraueli und seit: «So, wie isch es jez, weist jez na, wie-n-i heisse?» Do seit's: «Ja fryli weissi's wie-n-er heissed: Funtechächeli heissed er!» Do seit das Fraueli: «Ja ja, du häsches guet b'halte, wie-n-i heisse, und jez bringi der das Redli» und git em do es guldigs Spinnredli, wo vume sälber hät chöne spinne-n-und seit: «Bhüetigott, und blyb mer nu aliwyl e guet's und e bravs Chind.»

Do hät das Chind es Redli gha, das hät so e schöns Garn gmachet, wie kei einzigi Frau im ganze Dorf hät chönne. Es ist aber e bravs, flyssigs Chind blibe-n-und hät syner Läbtig as Funtechächeli tänkt.

Aus: C. Englert-Faye: Schweizer Märchen, Sagen und Fenggengeschichten, Basel 1984

H. R. Niederhäuser (Hrsg.)

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch