Wie ein Frosch eine Maus schwimmen lehrte
Ein Frosch, der -wipp wapp - durchs grüne Gras hüpfte, traf eine Maus an, die eben desselben Weges getappelt kam. «Gott grüss dich, guter Freund. Wir wollen uns zusammentun und miteinander unsere Strasse weiterwandern. und in allen Fährnissen zu Wasser und zu Lande treu zusammenhalten, wie es guten Gesellen geziemt.» Das gefiel der guten Maus nicht übel, denn der Meister Hopschel deuchte sie ein munterer Kumpan. Und sie gingen einträchtiglich ihres Weges fürbass.
Unlang aber, so kamen sie an einen grossen Bach. «Bei meinem Eid», sprach da der Frosch, «ich will dir hinüberhelfen. auf dass du wohlbehalten heimkommest in dein Haus.» Was wollte die Maus anders sagen, als ja; denn nirgends war eine Brücke, und hinüber mussten sie. Und so band der Frosch die Maus mit einem Stücke Bast an seinem Fusse fest. «Hei, jetzt will ich dich meine Kunst lehren», sprach er, «folge mir nur getrost ins Wasser, und du sollst sehen, bald schwimmst du ebenso gut wie ich.» «Wohlan denn und Gott befohlen», sagte die Maus, ob ihr gleich das Herz unterm Pelzlein bibberte. Plitsch-platsch - da sprang der Frosch ins Wasser und ihm nach die Maus.
Der Frosch aber war ein arger und hatte es bös im Sinn. Wie sie in die Mitte des Baches gekommen waren, da tauchte der Frosch plötzlich unter und zog das Mäuslein nach sich. Der Frosch auf dem Grunde riss sie nach unten, die Maus oben aber strebte aus Leibeskräften aufwärts, dass sie nicht unters Wasser komme. So kämpften sie eine Weile auf und ab, der Frosch und die Maus. Das aber ersah hoch oben aus der Luft ein hungriger Weih. Wie der Blitz stiess er nieder und packte die Maus mit seinen Klauen. Der Frosch aber hing an dem Baste fest, den er selber um sein Bein geknüpft. Der Weih liess beide ins Gras fallen und frass alsbald den Frosch auf. Da ward der Bast los, und die Maus entwischte geschwind in ein Loch und kam so mit dem Schrecken davon.
Ja, so kann's gehen: Wer der Untreu vertraut, der kommt ins Unglück, aber oftmals schlägt Untreu auch den eigenen Herrn.
Aus: C. Englert-Faye: Schweizer Märchen, Sagen und Fenggengeschichten, Basel 1984
H. R. Niederhäuser (Hrsg.)
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch