D' Binziger Chue
Es seid es Pürli zu syner Frau, es well goge-n-e Chue chauffe. So seit sy Frau zue-n-em: «Ja, de wirscht e türi heibringe.» Do seit de Ma: «Ja, de chascht dänn luege.» Und do gaht er uf de Mert, und do ischt det es Mändeli miteme Chueli und do seit er zunem: «Mano, wie tär das Chueli?» Und so seit das Mandeli: «A gsehnder, i gib si ume-n-en Schilig.» Do seit er: «He, da isch nüd vil, warum gänd er mer si ume-n-en Schilig?» Do seit das Mandeli: «He, i wil ech's säge:
«si mag das Heu nüd bysse,
si mag vor Angscht nüd schysse
und git kei Milch dezue
und ischt die alt Binziger Chue.»
Do chauft si de Ma und füehrt sie hei. Do seit er zur Frau: «Wa meinscht?» Do seit si: «He s'ischt e bravs Chueli, aber de wirscht au brav zahlt ha!» Do seit er: «He, so rat emal!» Do seit si: «Nün Tuble.» Do seit er: «Häsch nüd erate, muescht weniger rate.» Do seit si: «Acht Tuble» — und so abe bis uf feuf Guldi, 4, 3, 2, 1 Gulden, 30 Schilig, 20, 10, 5, 4, 3, 2 Schilig. Jez rati nüme. Ein Schilig!» «Jez häsch es ufeimal erate.» Do füert er d'Chue in Stall und git ere brav z'frässe, Heu und Gras. Do git si der erscht Tag ei Mass Milch, und do git er ere nameh z'frässe, do git si der ander Tag zwo Mass Milch und e so furt bis uf zwölf Mass. Und so seit er zur Frau: «Ghörscht, jez hämmer e schöns Häuptli Veh und jez wil i mittere z'Mert und wil si verchauffe. «Do seit d'Frau: «Ja, isz wirsch si wieder wele go verchauffe und dänn chunscht vilicht en Schilig über.» Und do seit er: «He, de chascht ja dänn luege», und do gat er mittere uf de Mert, und do chunt eine und seit: «Ghöred ihr Mano, ihr händ da es Gstaatshäupli Veh, was wänd er defür?» Und do seit er: «Hundert Guldi und gwüsse keis Äugerli weniger, gsehnder, si git al Tag zwölf Mass Milch.» Und do chunt er die hundert Guldi über, und do hät d'Frau wider müese-n-ufe rate vo eim Schilig bis uf hundert Guldi.
Aus: C. Englert-Faye: Schweizer Märchen, Sagen und Fenggengeschichten, Basel 1984
H. R. Niederhäuser (Hrsg.)
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch