Der Unsegen in der Butter
Auf einer Alp im Schanfigg kam einst ein Bettelmännchen in Lumpen und Hudeln gehüllt zu einem Weibe in die Hütte, das eben Butter sott. Demütig grüsste das Männlein und fragte mit flehender Stimme, ob die Butter im Auf- oder im Abgehen sei. «Sei sie im Auf- oder im Abgehen», antwortete das Weib höhnisch, «was geht's dich an? Du bekommst doch nichts davon.» - «Nun, so soll sie für immer im Abgehen sein», rief das Männlein mit gewaltiger Stimme und ragte aufs Mal wie ein Riese mit dem Haupt unter's Dach.
Und seither nimmt die Butter beim Sieden stetig ab von dem Augenblick an, wo der Schaum verschwindet, bis sie ausgesotten ist.
Aus: C. Englert- Faye, Alpensagen und Sennengeschichten aus der Schweiz, Zürich 1941. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch