Der geprellte Teufel
Ein armer Mann war in so grosse Not geraten, dass er nicht mehr ein und aus wusste. Da ging er von Hause fort, wo nichts mehr zu beissen und zu brechen war, denn er konnte Frau und Kinder nicht länger hungern sehen. Vielleicht finde er irgendwo anders Arbeit, dachte er, oder sonst wie Hilfe. Wie er sich so traurig mit hängendem Kopf und schlaffen Knien seines Weges schleppte und über seinem Unglück grübelte, begegnete er dem Teufel. Der redete ihn an und fragte, wohin er gehe. «Weiss ich's», erwiderte der Mann, «bin ich doch arm wie ein Stein, auf dem kein Moos wächst. Vielleicht find ich auswärts was zu verdienen, dass ich Brot für meine Kinder kaufen kann. Keller und Küche daheim sind längstens leer, und Stall und Speicher auch.» Der Teufel sagte: «Ist's weiter nichts, was dir fehlt, so kann dir schon geholfen werden. Gib mir nur Arbeit auf deinem Gut für einen ganzen Tag. Doch merke wohl, wenn ich nicht die volle Zeit beschäftigt bin, dann bist du mein mit Leib und Seele!» «Ei», dachte der Mann, «das lässt sich hören, der könnte mir die grosse Wilde reuten und ackern, die an mein Feld grenzt.» Und er besann sich nicht lange und schlug ein. Da gab ihm der Teufel einen grossen Sack voll Gold, so schwer, dass er ihn nicht tragen konnte, sondern daheim erst einen Karren holen musste.
Am nächsten Morgen früh bei Tag begann der Teufel seine Arbeit in der Wilde. Er fällte Bäume, riss Wurzelstöcke aus, trug Steine zu Hauf; das ging alles wie von selber. Und als der Bauer gegen Mittag kam, um nachzuschauen, wie weit die Arbeit gediehen sei, da sah er, dass beinah das ganze Stück schon das schönste Ackerland geworden war, und spätestens auf die Essenszeit würde der Teufel mit dem Werke fertig sein. Das Herz im Hals vor Angst und Schrecken eilte der Mann nach Hause. Er wusste dem bösen Knechte keine Arbeit mehr.
Vor dem Hoftor begegnete ihm ein altes Weiblein. Das fragte, was ihm fehle. Er sagte ihr seine Not. Da sprach die Alte: «Geh nur getrost nach Hause, reiss dir ein Haar aus, und wenn der Teufel kommt und nach mehr Arbeit fragt, so heiss ihn nur das Haar bolzgrad aufstellen, ohne es zu brechen.» Als der Mann heimkam, läutete der Sigrist eben Mittag. Da kam auch schon der Teufel angerannt und sagte: «Das Feld ist fertig gepflügt. Gib mir Arbeit!» Da riss sich der Bauer ein Haar aus dem Kopfe und legte es vor ihn auf den Tisch und sagte: «Stell dies Haar auf, aber brich es nicht um. Und wenn du damit fertig bist, ist deine Arbeit getan.» Der Teufel fuhr mit seinen Krallenpratzen daran herum, strich und glättete. Aber es wurde nur immer krümmer, rollte sich auf und zerbrach. Da stampfte der Teufel vor Wut, liess einen wüsten Stank und war verschwunden, als wie in den Boden gesunken.
Aus: C. Englert- Faye, Alpensagen und Sennengeschichten aus der Schweiz, Zürich 1941. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch