Wie ein Bauer seine Frau dem Teufel verkauft
Ein armer Bauer, dem der Geldherr hatte sagen lassen, er werde ihn von Haus und Hof verjagen, wenn er nicht bald zahle, was er schulde, ging traurig aufs Feld und sann über sein Elend nach. Am Kreuzweg im Wald traf er einen fremden Mann an. Das war aber der Teufel. Der fragte den Bauer, was ihm fehle, dass er so bekümmert dreinschaue. Der Bauer sagte ihm seine Not. Da sprach der Teufel: «Geh nur getrost heim und grab in deinem Stalle nach, wo ich dir sage, und du wirst an Geld finden, was du brauchst, und mehr als das. Und alles ist dein, wenn du mir das versprichst, was du daheim vor deiner Hustür finden wirst!» - «Was anders wird zu Hause vor der Schwelle sein, als die Scheiterbeige. Die kann er gerne haben!» dachte der Bauer, schlug ein und machte sich gleich auf den Heimweg. «Bring mir dann, was ich mir ausbedungen habe, morgen, wenn die Sonne zu Gold geht, pünktlich hierher!» rief ihm der Teufel noch nach. Wie aber erschrak der Mann, als daheim unter der Türe seine Frau stand, ganz verwundert, dass er so zeitig vom Feld zurückkomme. Er aber liess sich nichts merken. Gleich ging er in den Stall, grub an der bezeichneten Stelle nach und fand einen grossen Topf voll lötiger Silbertaler, und alle Not hatte ein Ende. Anderntags lud er zur angegebenen Zeit seine Frau auf ein Maultier, um sie ein wenig spazieren zu führen, sagte er. Ihr kam das zwar sonderbar vor, und es wollte ihr nicht geheuer werden dabei, aber sie mochte ihrem Manne nicht widerreden. Unterwegs jedoch an der Waldkapelle stieg sie ab und trat ein, um ein Gebet zu verrichten. Der Mann aber hatte ein schlechtes Gewissen, und ging nicht mit hinein, sondern wartete draussen. Nach einer Weile kam die Frau wieder heraus, bestieg das Maultier und sie zogen selbander weiter bis an den Kreuzweg, wo schon der Teufel auf sie wartete. Aber kaum gewahrte er die Frau, da fing er grässlich an zu brüllen und zu heulen, und wand und krümmte sich und geberdete sich wie hinterfür und schrie in einem fort: «Die will ich nicht! Die will ich nicht! Fort mit ihr! Fort mit ihr!» und lottelnd vor Angst und Wut fuhr er fauchend und fluchend davon.
Heilefroh, dass er so wohlfeil davonkommen sollte, kehrte der Bauer mit seiner Frau um. Bei der Kapelle stieg die Frau abermals ab, um zu beten. Und wieder wartete der Mann draussen. Aber diesmal kam sie lang und länger nicht zurück. Schliesslich tat der Bauer die Tür auf, um nach ihr zu schauen. Da fand er sie schlafend auf der Bank sitzen. Er weckte sie auf, und siehe, da ergab es sich, dass die Frau die ganze Zeit über in der Kapelle geschlafen hatte, seit sie auf dem Herweg eingetreten war. Die Mutter Gottes selber war in der Frau Gestalt und Aussehen für sie zum Teufel geritten.
Aus: C. Englert- Faye, Alpensagen und Sennengeschichten aus der Schweiz, Zürich 1941. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch