Die beiden Hirten
Es waren einmal zwei Hirten, die trieben ihre Herden auf ungleiche Weiden. Der eine liess sein Vieh nur auf steinigem, unfruchtbarem Boden grasen, damit es nicht im Überfluss mutwillig werde und hagbrüchig und ihm das Hüten erschwere; das ertrugen aber die armen Tiere nicht länger, sie magerten und schwächten so ab, dass sie ihm endlich einmal umstanden und auf dem Flecke liegen blieben. Da ward der faule Hirte in einen Wiedehopf verwandelt, der muss nun in einemfort hüp! hüp! rufen, dass er die toten Tiere wieder erwecke und heimbringe.
Der andere Hirte dagegen trieb sein Vieh auf lauter fette, frutige Weide, denn er wollte es vor der Zeit glatt und feist haben. Davon wurden aber die Tiere wild und übermütig und sprangen rechts und links aus; und nun schleuderte ihnen der Hirt Steine und Stöcke nach, wie's ihm eben in die Hand kam, und warf manches von ihnen krank und lahm. Da ward er in eine Rohrdommel verwandelt, die ruft nun unaufhörlich oha! oha!, dass er die entlaufenen Tiere zum Stehen bringe. Wer Ohren hat, der hört's.
Aus: C. Englert- Faye, Alpensagen und Sennengeschichten aus der Schweiz, Zürich 1941. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch