Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

S Todtebeindli

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Zaubermärchen

Sisch einisch e Chünig gstorbe; sy Frau und zweü Chind sind no am Läbe blibe, es Meiteli und es Büebli. Do händ sie einisch d'Mueter gfrogt, weles vo-n-ene dass einisch müess Chünig wärde. Do seit sie zue-n-ene: «Liebi Chind, gönd jetze zämme i Wald usse und suechet das Blüemli, wo-n-ech do zeige, und das, wo's von ech zerst findt, das muess einisch Chünig wärde.» Do sind die zweü zämme gange, und im Wald sind si bym Sueche-n-e chly ussenand cho, und 's Meiteli het 's Blüemli z'erst gfunde. Do denkt's, es well sym Brüederli no-n-e chly warte, und lyt näbe Wald i Schatte, nimmt 's Blüemli i d' Hand und schloft i Gottsname-n-i. Derwyle chunt 's Büebli au a das Örtli, aber 's Blüemli het er nonig gfunde gha. Wo-n-ers do aber im Händli vo sym Schwösterli gseh het, so chunt em öbbis Schröckligs z'Sinn: «I will mys Schwösterli ermorde-n-und em's Blüemli neh, und hei go mit, und denn wird i Chünig?» Denkt und to. Er het's tödt und im Wald verscharret und Härd drüber deckt, und kei Mönsch het nüt dervo gwüsst. No mängem, mängem Johr isch e Hirtebüebli dert uf der Weid gsi mit de Schöflene, und findt es Todtebeindli am Bode vo dem Meiteli. Do macht er e par Löchli dry wie am-e-ne Flötli, und blost dry. Do het das Beindli gar erschröckli trurig afoh singe - die ganz Gschicht, wie's Meiteli vom Brüederli umbrocht worde-n-isch: me het möge die hälle Träne briegge, wemme das Lied ghört het. Do goht einisch, wo das Hirtebüebli so gflötet het, e Ritter det verby; dä het em das Flötli abgchauft und isch dermit im Land ummezoge, und het an alle-n-Orte-n-uf dem Beindli gspilt. Einisch het do au die alte Chünigi dem Ritter zueglost, und isch ganz trurig worde, und het der Sohn abem Thron gstosse und briegget erer Läbtig.

Aus: C. Englert- Faye, Alpensagen und Sennengeschichten aus der Schweiz, Zürich 1941. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch