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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Zwerg auf Riedere

Land: Schweiz
Kanton: Glarus
Kategorie: Sage

In der grossen Riedera wohnte vor wohl hundert Jahren der Küfer Dietrich. Der war in einer Quatembernacht geboren und sah drum mit seinen Augen mehr als andere Leute und hatte die Gunst und Kunst der Zwerge und Geister. So lebte bei ihm im Hause ein spannenlanges Schrätteli in einem zerlumpten Hudelkleidlein und einem roten Käpplein. Dieser Zwerg war sein Liebling und Tag und Nacht bei ihm. Eines Abends sass Dietrich in der Küche am Herd, und auch das Männlein machte sich zu schaffen, indem es alles nachäffte, was sein Herr und Meister tat. Zog Dietrich ein Holzscheit aus dem Feuer, so folgte ein zweites nach. Legte er aber eines hinein, so folgte ein anderes auf der Stelle. Das ärgerte schliesslich den Küfer, und er brummte mehrmals unmutig: «Lass das.» Aber als der Schabernack fortdauerte, da wurde der Mann schliesslich wild und nahm, rot vor Zorn, ein brennendes Scheit und scheuchte den Schalk zur Küche hinaus. Als er andern Tags in der Scheune Häcksel geschnitten hatte und eben durch das Tenn zum Stall ging, da warf der Wicht aus der Scheunenecke eine eiserne Heugabel nach ihm. Zum Heil aber traf’s ihn nicht. Die Gabel aber hat die dicken Bohlen des Tores durchbohrt.

Aus: C. Englert Faye, Von kleinen Leuten. 102 Zwergensagen, Feen und Fänggengeschichten aus der Schweiz, Bern 1937.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch