Der Appenzeller Riese im Toggenburg
Am Säntis hauste einst ein gewaltiger Riese. Dem kam es zu Sinn, er wolle eine Stadt bauen. Da lief er hinüber ins Montafun und hiess dort das Volk der Zwerge einen grossen Vorrat hübscher Häuser zimmern. Als sie damit fertig waren, schoppte er alle in seinen weiten Habersack und machte sich auf den Heimweg. Als er jedoch bei Wildhaus über den Berg ging, da streifte der Sack eine scharfe Felsenkante und zerriss. Da wurden über alle Halden bis in die Täler hinab die netten Häuslein zerstreut, auf der einen Seite über die Appenzeller Hoger, auf der anderen über die Halden und Hänge, Böden und Gründe des oberen Toggenburg.
Als der Riese sah, wie heimelig die sauberen Holzhäuslein in den grünen Matten sich ausnahmen, wie die blanken Scheiben in der Morgensonne silbern glitzerten und in der Abendsonne golden strahlten, da sammelte er sie nicht wieder ein, sondern liess sie da stehen, wo sie hingefallen waren. Und eine solche Freude hatte der Riese ob dem Anblick, dass er es aufgab, eine Stadt in diesem lieblichen Lande zu bauen.
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch