Mutabor Märchenstiftung:
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D Chöpflerboda-Risa

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Sage

Im Chöpflerboda uf der Spitzialp i Sand Atönja hed’s vor alten Zyten Risa gän, und alt Lüt wüssend van däsälben noch allerlei z’erzellen.

Diä Risa heind dort gäpuret, aber wie’s schynt, sind sch’ denn nid grad die Brevsten gsin mit Holz und Streuwi und Heu sammlen; überhaupt müessend sch’ ättäs ummerglümpälet han. Ämmel, dass sch’ widerm äs Missi bägangen heind ghan, sä sind sch’ dua für d’Obrikeit bschickt worden. An däm Tag, wa sch’ fürträtten heind sollen, sä chunnd aber der Sterchst van denen Kärli mid ämä Püüschen in der Hand, stellt dän für der Ratstuba nider, dass di Tschät- schel usgfloga sind, und rüefd zäm offna Pfänster in, wass sch’wellend müm-ma. Dua heiend d’Herrä änandern aso anglueget und heiend bim Sakerbränt fast nümma schnufen törfen. Zletscht hei denn aber der Landammen zäm Ris gseid, äs müess da än Irrig fürganga syn, är soll nu widerm heingan.

Äs anders Mal hättä sch’ d’Obrigkeit widerm gärn gstrafet. Bschicken heind sch’ äsch aber nümma törfen und dua ist nen dua z’Sind chon, schi wellend ämal sälber uf i Chöpflerboden gan und sch’ mid’n par starchen Mann probieren abzfassen. Richtig heind seh’ denn das so gmachet und sind äs hübschen Tagsch z’gmeinem Rat ufgangen. Zuafellig sy nun eina däheimet gsin. Där hei denn die Herra bäwillkommnet und sy äsvil as mächtig fründlächa gsin. Aber dem Landammen hed’r schynt’s wol starchhaft d’Hand gäbotten, so dass dämsäba ds Blued us dä Fingern gsprützt sy. Der Ris hei denn gfreget, ob sch’ Milch trichen mögend, und wie sch’ gseid heiend Ja, sä hei är dr gross Gepsa voll Milch uf einmal usem Chäller gfergget, i rä-n-iedere Hand ein Gepsa und denn noch eini obna druf. Schi heiiä ma wellen das obärist Gschir abnähn, aber är hei nen zär Antwort gän, schi sollend schi nun nid bämüejen; wenn ’s di Tübläni hebend, sä hebend ’s di Tümläni au. Wie seh’ dua Milch gätrunchen heiend ghan, sä sy der Buab vam Ris mid Holz usem Wald chon, är hei äso än zweischüejägä Püüschen uf der Agsla ghan und ordäli gschwitzt. Der Alt hei gfreget, warum ’r nid meh gefergget hei, und dua hei der Buab gseid, wil ’r nid meh tragen hei mögen. Uf das hi rääggi der Alt und sägi, äsiä hättä ma schi gschämt, mit derämä Grotzen heinchon. D’Herra van der Obrigkeit heiend dua doch nid gwaget, hinder d’Risa här z’gan und heiend dua ds Wort ghan, schi heiend ämmel cho wellen gä luegen, wie hübsch Veh dass sch’ heiend.

Zletscht sy denn van da Risen nun noch eina überig meh gsin, und däm sy ämmel an Henna bägägnet und fregen en, was ’r meini, wels gschyber sy, dass schy inn tragi, old är schy. Der Ris hei gsehn, dass da ättäs meh as rächt sy, und hei schi äso ä Wil bsunnen. Entli sä säg är denn, är meinti, äs wer gschyber, wen är schy trüegi. Und wyl ’r das sägi, sä schwing är schan uf d'Agsla und sy vorwärts. Zerscht hei är scha ring gätragen, aber ieverzua sy sch’ schwerer worden, z’erscht wie äs Schaf, de wie äs Galtji, därnah wie ä Chua und so albig schwerer. Är hei scha wellen abwärfen; aber är hei nümma chönnen und schliessli sy er erstickt.

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

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