s Meri vom Südeli
Änet em Rhy isch emal en Chönig gsi und e Chönigin. Die hei zweu härzigi Chinder gha, es Büebli und es Meiteli. Das Büebli het mit Name Chueri gheisse, und’s Töchterli isch es Anneli gsi. Einisch im Summer am-ene warme Sunntignahmittag, der Oberluft het so lieblig dür`s Laub gstriche und, und z’ringsum het’s gruscht, gsüslet und g'chüderlet, d'Vögeli hei pfiffe-n-und gsunge-n-i de Haselstude und hinder de Schlehedornbüsche am Hubel nide hei nes paar Geisse glögglet, und im Tal unde glitzeret’s Bächli, blüeie d’Weihefäcke- n-und d’Sankt Johannsblueme und schwanket der Rogge - du isch das Meiteli ganz allei am Rain obe-n-am Schlossbärg gsässe und het Steindli ufgläse. Da chunnt undereinisch en frömde Chrömer verbv und wirft im Anneli en sydige Bändel zue und seit mit ere fründleche Stimm: «Sä da, Chindli, chumm gang mit mer!» und nimmt’s am Händli und geit mit ihm hurtig dervo. ’s Anneli het zwar briegget und gschroue zum Verbarme, aber niemer het’s drum ghört, und du het’s halt müesse mit ihm gah.
Dä frömd Ma isch mit ihm ’s Land ab und übere Rhy und het’s in es Wirtshus bracht zu-n-ere Wirti, und seit, es syg es arm’s Fünderli, er wöll’s für öppis wenigs by-n-ere verdinge. «Ja fryli», seit die Frou, «das Chindli will ig scho zue mer näh und rächt zue-n-ihm luege, as wie-ne Mueter zue-n-ihrem Chind. Und du isch das arm Anneli halt by sällere Wirti blibe, und sider, wo’s afe-n-e chli grösser isch worde, het’s müesse-n-i der Chuchi hälfe-n-und in der Wirtschaft wie nes Mägdli: es het ufgrumt, d’Stube gwüscht und d’Pfeischter putzt, d’Häfe g’schumet, ’s Gschirr abgwäsche-n-und tischet und bettet. Und alli hei-n-ihm ume ’s Südeli gseit und ihns gstüpft und gmüpft und mit ihm gschumpfe-n-und gschmält. Und wenn albe-n-am Sunntig Bitze Späck si uftreit worde, me het bym Donner chönne-n-ypacke, bis eim d’Feissi zue de Mulegge-n-us- grunne-n-isch, und d’Wirti ne Blatte voll Chüechli gmacht het, dass es fascht d’Chemischooss obe-n-ab glüpft het, so het me-n-ihm so magers Gmües ufgstellt, wo weder Stoub no Floub dra isch gsi, und Härdöpfelröschti, so troch bym Heidecholi! dass me si hätt chönne rouke. Und so het’s böset i däm Hus, ’s isch all Tag böser worde, bis ’s afe nümme guet isch gsi. Schluttli het’s Südeli gha, dass em d’Sunne hätt möge d’Hut chüechle, und ume wenn’s het sölle-n-ufwarte, het’s dörfe nes bessers Chleidli alegge. De het’s albe sy Schürzli abbürschtet, d’Züpfe-n-ufglöst, früschgnetzt im Handbecki und si wider gflochte-n-und mit der Haarschnuer ufbunde - lueget ume, wie ringelet si sys chruselgäls Haar! - denn mit de Jahre-n-isch’s Anneli es wunderhübschs Jümpferli worde mit ährigäle Züpfe-n-und Ouge so blou wie der Himmel.
Zue sälber Zyt het der Suhn vo sällem Chönig, der Chueri, en nuefere Burscht, wölle wybe, der Vatter isch drum halt afe-n-alt und elter worde und het du gmeint, d’Chrone wärd ihm de afe z’schwär, der Bueb soll se iez träge, und er het geng gruchset, er chönn nümme guet fuesse, het über Mageweh und Härzwasser g’chlagt und het mängisch gmeint, es syg ihm nit wohl - aber ellei, het er gseit, syg nid guet Chönig si, wöll eine rächt regiere, so müess er e bravi Frou ha. Und der Chueri, dä het si das nit zweumal la säge, und wenn am Sunntig albe d’Chilche-n-us gsi isch, het me-n-euse Prinz eister gseh mit de rychschte Ritterfröulene-n-und Grafetöchtere-n-em Schloss zue loufe, ’s het ihm keis nüt i Wäg gleit, mängs isch no vor em Schlosstor blibe stah und het zum Abschid spasswys öppis mit em grangget. Keis Wunder, het der Chueri überhoupt gmeint, Niggeli syge Chirschi, und die fürnähme Meitschi chläbe-n-ame schöne Chnab so zärtlig wie Zundel uf eme Blätzab. Hingäge syg’s de doch nit ganz eso, säge d’Lüt, und was d’Lüt säge, isch denn öppe-n-emal o wahr. Aber item, em Chueri het e keini wölle gfalle vo dene Jumpfere, wo ume Wäg sy gsi, und ame schöne Tag sattlet er sys groue Ross und isch vo heime gritte, für z’luege, öb er in der wyte Wält nöume nes Froueli fund, wie-n-er eis müess ha.
Er lat sym Ross d’Zügel lugg, der Bigger strüsst d’Ohre-n-und isch staubvombode dervogsprängt über Bärg und Tal. Am Abe, wo d’Sunne z’Gold gaht, chunnt der Prinz zum sälle Wirtshus, wo’s Anneli as Südeli dienet het. Er stellt’s Ross i Stall und sitzt a Tisch. Du bringt ihm’s Anneli Brotis und bachni Fisch und schänkt ihm rote Wy in e guldige Bächer usere gschliffnige Fläsche mit ischglattem Hals, und’s Liecht spieglet si drin. Jä, gället da luegeter! Aber so isch es äbe: Uf dere Wält hei’s halt die Ryche, und die Arme müesse-n-undedüre. Im Himmel obe-n-isch einisch andri Ordre: do setzt me die Arme-n-obe-n-a Tisch und wartet ne-n-uf mit Stierenouge-n-und Gugelhüpfe, die Ryche-n aber müesse vorlieb näh mit gschwellte Härdöpfle-n-und Bättlerbuebe. Item, wo dä Prinz das Meitschi gseht, het er schier d’Ouge nümme vo-n-ihm bracht; denn so ne schöni Jumpfere, düecht’s ne, heb er syner Läbtig no nie gseh und er luegt und luegt, ’s Ässe-n-isch ihm schier erchaltet ufemTäller – aber um d’Härzgrueb ume-n-isch’s ihm gäng wie wermer worde. «Loset ou Frou Wirti», seit er du, «isch die hübschi Jumpfere eues Töchterli oder am And eui Suhnstochter?» «Nei
Bhüetis, my junge Her», seit d’Wirti druf, «es isch ume nes arms Südeli und reiset myne Geste d’Stübeli.» «Loset, Frou Wirti», seit nach eme Cherli wider der Prinz, «das schöne Chind möcht i wol gäng by mer ha, by Tag und by Nacht, i gibe-n-ech Guld und Silber, so vil der weit.» D’Wirti isch du zfride gsi; ihr Gsicht het so fründlig drygluegt wie nes heiters Wülchli vor der Abesunne, und si het du nüt meh gseit.
Wo’s dimmer wird und uf der Strass so still, dass me jedes Müsli ghört het, wo no sys Bettli uffschüttelet under der Schyterbygi, und bald isch chydige Nacht gsi vorusse - du het der Prinz ’s Anneli by der Hand gno und geiht mit ihm d’Stäge-n-uf i d’Chammere und füert’s zue dem breite Herebett, mit sydige-n-Umhäng und fragt’s, ob’s nit by-n-ihm wöll schlafe. Em Anneli aber sind ume d’Träneli über d’Bäckli ab gloufe wie Toutröpfli über nes Bluemechöpfli. Du het der Prinz sys Schwärt zoge und leit’s blutte Blatt zwüsche-n-yne. Aber’s Anneli het gäng wytergschluchzget, dass’s es ganz gschüttlet het, und’s luter Wasser briegget, s’isch zum Verbarme gsi. Es het der Prinz bis i d’Seel yne duret, und drüber seit er: «Los, lieb Anneli, chehr di um und chlag mer dy Chummer, wo d’i dym Härzli treisch, dass de däwäg muesch briegge. Säg, wer isch dy Vatter, säg, wer isch dy Mueter?» Du chehrt si’s Anneli im Bett und seit: «Es isch mängs Jahr, dass me mi myne-n-Eltere gstohle het. Der Herr Chönig ännet em Rhy isch my Vatter, und d’Frou Chönigi my Mueter. Gott im Himmel weiss, öb si no am Läbe sy: Und Chueri heisst mys Brüederli. Gott weiss, wo-n-er ume fahrt in der wyte Wält!» «Und wenn dy Vatter Chönig isch und dy Mueter e Chönigi, und dys Brüederli Chueri heisst, denn bisch du mys liebschte Schwöschterli!» het du der Prinz grüeft und het’s Anneli in syni Arme gno und vo Härze gchüsst. Derna si beidi härechnündlet und hei Gott danket bis am Morge.
Wie’s du Tag worde-n-isch und der Güggel chräit het, rüeft d’Wirti vorusse: «Stand uf, stand uf, du fuli Huer, und chehr mer d’Stube-n-us und tue de Geste ’s z’Morge rüschte!» Du het der Prinz umegrüeft: «Oh nei, oh nei, Frou Wirti, ’s Anneli isch keis Südeli, ’s Anneli isch kei Magd! Cher du der sälber d’Stube-n-us und tue de Geste s’ z’Morge rüschte!» Und er geit und sattlet handli sys groue Ross, nimmt’s Anneli am rote Rock und schwingt’s hinder sich ufe Sattelsitz, er lat em Ross d’Zügel lugg, der Bigger strüsst d’Ohre-n-und sprängt staubvombode dervo über Bärg und Tal der Heimet zue.
Wie si chömme go z’ryte-n-in Hof vom Chönigschloss, chömme ne Vatter und Mueter etgäge und hei se by der Hand gno und säge: «Bis willkumme, liebe Sohn, mit dym Froueli fyn und zart!» «Das isch nid mys Froueli fyn und zart - mys Schwöschterli isch’s, euses liebschte Chind, wo mir so lang hei verloore gha!»
Sie setze’s schön Anneli obe-n-a Tisch
Und gäbe-n-ihm gsottni und bratni Fisch.
Si stecke-n-ihm a ne guldige Ring,
Jez bisch de wider mys Chönigschind.
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch