Mutabor Märchenstiftung

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Columban am Bodensee

Land: Schweiz
Kanton: St. Gallen
Kategorie: Legende

Columbanus kam weiterwandernd mit seinen Gefährten nach Bregenz. Der Mann Gottes durchzog das Land, dass er den Samen des Glaubens unter die Heiden streue. Und er gelobte, eine Weile dort zu bleiben. Als er nun allda weilend war und den Gau durchwanderte, traf er die Bewohner an, wie sie eben ein Opferfest feiern wollten. Eine grosse Bütte voll Bieres, wohl an die zwanzig Eimer haltend, die sie in ihrer Sprache Kufe nennen, hatten sie in ihrer Mitte aufgestellt. Columbanus trat an die Bütte heran und fragte, was sie damit tun wollten. Sie sagten, sie wollten ihrem Gotte, Wotan mit Namen, ein Fest feiern. Als Columbanus von diesem Werke hörte, blies er in den Bottich hinein. Der barst krachend auseinander und zerfiel in Stücke, und eine ungestüme Kraft brach mit dem Getränke des Bieres aus ihm hervor. Also ward deutlich, dass der Teufel in dem Bottich verborgen gewesen, um durch den Trunk die Seelen zu fangen. Wie die Bewohner das sahen, sprachen sie: «Der Mann hat einen starken Atem, dass er so eine Bütte, mit einem Reifen gebunden, zerblasen kann.» Columbanus aber erhob seine Stimme und schalt sie, dass sie von solchen Opfern liessen, und gebot ihnen, nach Hause zu kehren. Und viele von ihnen erlangten durch das Wort des gottseligen Mannes die Taufe.

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch