Mutabor Märchenstiftung

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Die hilfreichen Bergmännlein

Land: Schweiz
Kanton: Nidwalden
Region: Steinberg, Branzhorn, Dallenwil
Kategorie: Sage

Erzählt von Marlis Gabriel in Nidwaldner Mundart

Früher gab es viele Bergmännlein. Sie halfen den Älplern und Sennen beim Heuen und bekamen dafür Käse und frische Milch. Auch am Steinberg Richtung Branzhorn wohnte ein Bergmännlein. Es hauste in einer Felshöhle in der Nähe der Alp Obfluh und war sehr hilfbereit. Wenn die Sennen einmal hinunter ins Tal mussten, konnten sie die Alp dem Bergmännlein überlassen, so gut kümmerte es sich um die Tiere. «Nur wenn der Föhn weht, dann komme ich nicht», sagte es jeweils. 
Das Bergmännlein hatte einen Bergsitz, einen flachen Stein, wo es jeweils sass und sich ausruhte. 
Davon hörten auch einige Leute unten in der Rütimatt und sie beschlossen dem Männlein einen Streich zu spielen. 
Als sie sahen, wie das Bergmännlein aus seiner Felshöhle kam, erhitzten sie heimlich den flachen Stein. Als es sich dann daraufsetzte, schrie es vor Schmerz und rief: «Jetzt komme ich nicht mehr!»
Seit diesem Tag hat man es nie mehr gesehen, und die Sennen mussten die viele Arbeit alleine machen.
Auch in Dallenwil, auf der Alp Tableten, gab es ein hilfreiches Bergmännlein. Es half beim Heuen und warnte die Leute vor Unwettern. Wenn ein Gewitter aufzog, bevor das Heu im Trockenen war, dann nahm es zwei Haselruten, schlug damit auf das Heu und es flog vor dem Männlein her direkt in den Heugaden. 
Dieses Männlein hatte seinen Lieblingsplatz auf der Ofenbank. Doch heute sieht man es nicht mehr. Wer weiss, wer es vertrieben hat.
Manche sagen, jedoch dass es beim Salistock noch Bergmännlein gibt. Bei Vollmond tanzen sie um den Salistock. Sie baden im Luterseeli und heben viele glitzernde Steine aus dem Wasser. Wenn du wissen willst, ob das wahr ist, musst du selbst hingehen und nachschauen!

Neu erzählt von D. Jaenike, nach mehreren Sagen aus: Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. © Mutabor

Wissenswertes
In vielen Alpsagen wird von Bergmännlein erzählt, die bei den Sennen bei der anstrengenden Arbeit halfen und über die Gesundheit der Tiere wachten. Wenn das Alpjahr gut verlief, war man sich sicher, dass die Bergmännlein geholfen hatten. War das Alpjahr hingegen schwierig und von Krankheiten und Not geprägt, so glaubte man, dass jemand den Geistern der Berge nicht mit genügend Respekt begegnet war.  Mit Erzählungen dieser Art konnte man an die nötige Ehrfurcht vor der Natur erinnern.