Mutabor Märchenstiftung

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Vom heiligen Florinus

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Legende

Einst war der heilige Florinus in seinen jungen Tagen von seinem Lehrer Alexander zu Remüs geheissen, einen Krug Wein zu seiner Labung aus der nahen Burg Carritia zu holen, deren Herrschaft dem frommen Priester freigebig alle Notdurft des Leibes spendete. Der Jüngling ging und erhielt einen Krug des besten Weines zum Ärger der Schlossknechte, die dem fremden Pfaffen die Gabe vergönnten. Auf dem Heimweg traf Florinus eine abgehärmte Frau, die bat ihn um ein Almosen zur Stärkung ihres kranken Mannes. Die Arme dauerte ihn, und da er nichts anderes hatte, goss er ihr den Wein iņ ein leeres Melchterli, das sie bei sich hatte. Dann ging er ins Schloss zurück, um sich den leeren Krug abermals füllen zu lassen. Der gottlose Torwart aber, der alles mit angesehen hatte, liess ihn nicht mehr herein, sondern jagte ihn mit bösen Worten und Schlägen weg.

Betrübt kehrte Florinus um, und damit er nicht mit leerem Kruge nach Hause komme, füllte er ihn an einer sprudelnden Quelle mit Wasser. Aber was geschah? Wie er zu Tische dem vielgeliebten Meister in seinen Becher einschenkte, siehe, da war das Wasser zu Wein verwandelt. Die Quelle aber, aus der Florinus geschöpft, heisst heute noch:

La fonatana da St. Florin

Inua l’aua s’müdet in vin.

Der Brunnen vom heiligen Florin,

Wo das Wasser sich kehrt’ in Win.

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch