Mutabor Märchenstiftung

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Sintram und Baltram die Drachentöter

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Es waren einst zwei Brüder, Ritter von Lenzburg, Sintram und Baltram geheissen, kühne Jünglinge. Die lagen dem edeln Weidwerk ob und durchstreiften auf ihren Jagdfahrten die grossen Wälder und weiten Einöden um Emme und Aare, darin Bären, Wölfe, Wildsäue und Urochsen hausten.

Als sie eines Tages wieder einmal auf Berg und Bühl und Tal und Tobel herumgeirrt, da kamen sie an eine Doppelfluh, die jäh aus dem Wald aufragte. Die war hohl. In der Hohle aber hauste ein grässlicher Drache, der frass Menschen und Vieh, so dass die ganze Gegend verödet war. Feuerschnaubend schoss er von seinem Nest auf die beiden Ritter los und verschlang Baltram den jüngeren der Brüder, bei lebendigem Leibe. Da aber sprang Sintram herzu und spaltete mit seinem guten Schwerte dem Wurm den Hornschädel, schlitzte ihm den schuppigen Bauch auf, und siehe da – Baltram stieg unversehrt heraus.

Das dankbare Landvolk aber wählte die beiden Bruder zu ihren Herzögen. Diese aber bauten auf jenem Berge eine Burg. Das war der Anfang der Stadt Burgdorf. Auf dem Giebel des Tores  aber liessen sie einen goldenen Drachen aufstellen zum Gedächtnis. Und noch lange haben sie als mächtige Schirmherren des Landes gelebt, von allem Volke geliebt und geehrt. Und von dieser Begebenheit ist das Wort:

«Der Bruder stand dem Bruder bei: So ward das Land vom Drachen frei.»

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch