Notkers Rat
Zu Notker, dem Stammler, kam ein Bote Kaiser Karls des Dicken ins Kloster mit Brief und Botschaft, wie er sein Reich aufs beste bestellen möchte. Und als der Bote die Antwort holen kam, da traf er den Gottesmann eben im Garten, wie er das Unkraut sorgsam aus den Beeten raufte und gute Kräutlein dafür setzte. Lange stand der Bote wartend da und sah der Arbeit zu. Endlich sprach er: «Und welches ist die Antwort, heiliger Vater, die ihr mir mitgebt für meinen Herrn, den Kaiser?» Da hob Notker das Haupt und antwortete: «Mein Sohn, was du mich siehest tun, das sage deinem Herrn, dass er’s auch tun solle.»
Mit dieser Antwort fuhr der Bote heim. Der Kaiser aber, wie er solches vernommen, ward froh in seinem Herzen, denn er verstund gar wohl, was des heiligen Mannes Rat war. Er tat desgleichen, und es hat ihm gar wohl erschossen.
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch