Kaiser Karl
Karl, der grosse Kaiser, war schön von Leib, aber wild von Angesicht. Sein Leib war acht Fuss hoch, sein Angesicht war anderthalb Hand lang, sein Bart war eine Hand lang, seine Stirn war einen Fuss hoch. Einen gewappneten Ritter zu Ross spaltete er mit einem Schwerthieb vom Scheitel mitsamt dem Ross. Vier Hufeisen vermochte er mit seinen Händen auf einmal zu zerdehnen. Einen gewappneten Ritter, der aufrecht auf seiner Hand stund, mochte er allein mit dieser Hand gar schnelliglich von der Erde emporheben bis zu seinem Haupt. Er ass einen ganzen Hasen, oder zwei Hühner, oder eine Gans. Er trank wenig Wein mit Wasser vermischt, und war so mässig in seinem Trinken, dass er alle Zeit zu Tische selten öfter denn dreimal pflegte zu trinken. Er baute viele Klöster und beschloss sein Leben gar löblich und machte Christum zu seinem Erben.
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch