Mutabor Märchenstiftung

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Herzog Friedrich und Leopold von Österreich

Land: Deutschland
Kategorie: Sage

König Friedrich ward nach ritterlichem Kampfe von Ludwig dem Bayern gefangen in der Schlacht und nach einer Feste in Gewahrsam gebracht, Trausnitz genannt. Als er hineingeführt wurde und diesen Namen sagen hörte, rief er aus: «Jawohl, Trausnicht! Ich habe sein je nicht getraut, dass ich so sollte darein gebracht worden sein.»

Wie Friedrich nun allda gefangen lag, kam ein hochgelehrter Mann zu Herzog Leopold von Österreich, Friedrichs Bruder, und sprach: «Ich will Gut nehmen und den Teufel beschwören und zwingen, dass er muss euren Bruder, König Friedrich, aus dem Gefängnis her zu euch bringen.» Also gingen die zwei, Herzog Leopold und der Meister, in die Kammer; da trieb der Meister seine Kunst, und kam der Teufel zu ihnen in eines Pilgrims Weise und ward geheissen, dass er König Friedrich herbrächte ohne allen Schaden. Der Teufel antwortete, er wolle das wohl tun, wo ihm der König folgen werde.

Also fuhr der Teufel weg, kam zu Friedrich nach Trausnitz und sprach: «Sitz her auf mich, so will ich dich bringen ohne Schaden zu deinem Bruder.» Der König sagte: « Wer bist du?» Der Teufel antwortete und sprach: «Frage nicht danach; willst du aus dem Gefängnis kommen, so tu, was ich dich heisse!» Da kam den König und die ihn hüteten das Grauen an, und sie machten das Zeichen des Kreuzes über sich. Da entwich der Teufel.

Nachmals aber tat Herzog Leopold dem König Ludwig also weh mit Kriege, dass er musste König Friedrich aus dem Gefängnis lassen. Doch musste zuvor er schwören und verbürgen, König Ludwig fürder nicht zu irren an dem Reich.

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

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