Die Ochsen auf dem Acker zu Melchthal
Es sass zu Sarnen einer von Landenberg, der war daselbst Vogt. Der vernahm, dass ein Mann im Melchi wäre, der hätte einen hübschen Zug Ochsen. Da fuhr der Herr zu, schickte einen Knecht und liess dem armen Mann sagen, «die Bauern sollten den Pflug selber ziehen, er wolle die Ochsen haben». Der Knecht, der tat, was ihn der Herr geheissen hatte, und wollte die Ochsen ausspannen und gen Sarnen treiben. Nun hatte der arme fromme Landmann einen Sohn. Als der Knecht die Joche der Ochsen aufbinden wollte, schlug der Sohn mit dem Treibstecken drein und schlug dem Knecht den Finger entzwei. Der Knecht gehub sich übel, ging heim und klagte seinem Herrn, wie es ihm ergangen war. Der gute arme Knabe versah sich wohl: wo er nicht wiche, dass er darum leiden müsste, floh und entrann. Der Herr ward zornig und schickte noch mehr Leute aus. Da war der Junge entronnen. Da fingen sie den alten Vater. Dem liess der Herr die Augen ausstechen und nahm ihm, was er hatte.
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch