Der Burgvogt auf Promont
Der Vogt auf Promont war ein wilder, trotziger Ritter und dem Lande ein harter Herr. Er hatte einen Hund, eine gewaltige Dogge. Die war abgerichtet und scharf auf den Mann. Regelmässig an bestimmten Tagen musste ihm dieser Hund nach Stans laufen und das Fleisch, das er bedurfte, in einem Körbchen holen. Als Trägerlohn erhielt er die Knochen, die davon abfielen.
Eines Tages kam die Dogge schweisstriefend mit leerem Korb zurück. Der Vogt stand auf der Zinne und sah dem Hund entgegen. Wie er sah, dass das Körbchen leer war, stampfte er mit dem Fuss, knirschte mit den Zähnen und fluchte über den Trotz der Bauern. «Buis!» schrie er — so hiess der Hund — «Marsch! hol mir Fleisch! Ich will die Hunde schon zu Paaren treiben, dass sie den Kot mir kehren müssen!»
Die Dogge kam bald zurück; aber nicht mit Fleisch, sondern den Korb voll Kot. Da rief der Ritter in seinem Grimm, und doch voll Furcht, dem Hunde zu:
«Buis, Buis! Myn Zyt ist uis! Ich pack myn Geld, Flieh übers Feld!»
Und bald brachen die Bauern die Burg.
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch