Mutabor Märchenstiftung

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Der wild Jäger

Land: Schweiz
Kanton: Aargau
Kategorie: Sage

I der Nächi vo Aarwange isch es Guet, Moosberg heisst es, dort het vor alte Zyte-n-e Freiherr gläbt. De het nid chönne sy und läbe, ohni uf d’Jagd z’ga, und het doch nie öppis schiesse chönne. Er het gjagt, sy’s Sundi gsi oder Wärchti, und mit sym Jagdgfolg isch er dür die schönste Chornfälder gsprängt und het mit bösem Übermuet verstört, was syni Pure mit Müe und schwäret Arbeit pflanzt hei. «Lueg», het im sy Frou mängisch gseit, «du versündigescht di a de Mönsche und gege Gott!» Aber er het nid welle höre, und mängischt sy die arme Pure cho und sy uf iri Füess nidergfalle, und unger Träne hei si-n-e bäte, er möcht ne doch iri Saate schone; aber alls het nüt ghulfe. Sys Härz isch halt hert gsi wie-n-e Stei.

Einischt, wo-n-er wider het wölle-n-uf d’Jagd, het-n-e d’Frou wider ermahnt, deheim z’blybe, si wüssi wohl, dass er nüt heibring, aber d’Fälder träge jez so schöns Chorn, und’s wär doch schad, wenn er das jez alls mit syne Rosse vertrampi. Do het de Ritter agfange-n-ufbegäre-n-und flueche und seit: «Vo der Frou lo-n-i mer nit befäle und jez wott i uf d’Jagd, und’s Donnerwetter söll mi erschlo, schiesse-n-i hüt nüt!» Das Wort isch gsproche gsy und der Himmel het’s ghört.

Der Tag über isch grüsli heiss gsy; der westlig Himmel het sich überzoge mit schwarze Wulke, und es gfürchigs Gwitter isch cho. D’Chnächte händ de Freiherr gmahnt und zu-n-im gseit, er möcht doch hei go, es chöm de es böses Wätter. Aber er het si nüt dra gchehrt. Es het im numme-no gfalle, wenn’s so rächt gchrachet und gschätteret het, und er isch halt wyter gritte. Aber o weh! - wo-n-er grad uf ene Hirz wott aschlo, do chlepft’s, wie no nie so, und tot nidergstreckt isch er am Bode gläge.

Syder ghört me no jez gäng, wenn’s anger Wetter wott gä, im nämlige Wald jage; dütli ghört me, wie d’Hüng bälle-n-und d’Jagdhörner rüefe.

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch