Mutabor Märchenstiftung

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Herzog Hansens Ende

Land: Schweiz
Kanton: Aargau
Kategorie: Sage

Nach König Albrechts Ermordung floh Herzog Hans nach Einsiedeln und lag dort eine Zeitlang im Kloster verborgen und warb um Hülfe. Da er aber nirgends Beistand fand, hielt er sich in deutschen Landen nicht mehr für sicher, verkleidete sich und zog nach Italien, kam unerkannt nach Pisa und ging da in ein Augustiner-Kloster. Nachmals beichtete er dem Papste die Tat, die er begangen, und der Heilige Vater sprach ihn frei von seiner Pein und Schuld.

Sechzig Jahre nach König Albrechts Tod kam aus fremden Landen ein ansehnlicher, schöner, hochbetagter Mann, der liess sich nieder in einem Bruderhaus gegen zwei Meilen von Königsfelden, dahin er oft von den Klosterfrauen seines würdigen Aussehens und heiligen Wandels wegen gerufen und geladen ward. Denen erzählte er gründlich, wie es einst ergangen mit König Albrecht und wie er auf dem Felde zu Königsfelden erschlagen worden, da er denn alle Örtlichkeiten des Landes, wie es zu den Zeiten Albrechts gewesen, auch alle Namen der Leute, die zu jener Zeit am Hofe geweilt, so auch des Herzogs Hansen Namen, und all dieser Tun und Lassen berichten konnte. Und dieweil dieser Mann so eigentlich und so gründlich von der Sache reden konnte und auch hohes Alter auf sich hatte und gar adliger Sitten und fürstlichen Aussehens war, ward er von den Klosterfrauen endlich verdacht, er wäre selber Herzog Hans, der sich jetzt und nach so vielen Jahren wiederum aus seiner Verbannung in fremden Landen herbegeben hätte. Doch der Greis wollte der nicht sein und verleugnete, wer er wäre. Nach langem ward er sehr schwach, so dass die frommen Frauen ihn in ihrem Kloster versahen und erhielten, bis er zu sterben kam. Und als er auf dem Totenbette von seinem Beichtvater eigentlich gefragt ward, ob er doch Herzog Hans wäre, bekannte er ihm beichtweis, dass er’s wäre. Auch wie er zu seinem letzten End kam, da er hinscheiden wollte, und wiederum gefragt wurde, deutete er und gab Zeichen, dass er’s wäre.

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

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