Kaiser Karl II. und Rudolf von Habsburg
Als Rudolf von Habsburg mit Kaiser Friedrich dem Anderen, der ihn aus der heiligen Taufe gehoben, in Lamparten weilte, da erwies der Sterndeuter des Kaisers Rudolf, wiewohl er nur ein Jüngling war, Ehre vor allen Vornehmen und hohen Herren bei Hofe, indem er allemal vor ihm sich erhob. Da fragte der Kaiser den Sterndeuter, warum er jenem vor allen andern solche Ehre erweise. «Weil des Reiches Herrlichkeit und des Kaisers Herrschgewalt auf ihn kommen wird », antwortete der Sterndeuter. Das beschwerte dem Kaiser sein Gemüt gar sehr, und er ward des Zornes voll. Der Sterndeuter aber sprach: «Herr, ärgert Euch nicht, denn ehe seine Herrschaft anhebt, werdet weder Ihr noch einer von Euren zehn Söhnen mehr am Leben sein.» Rudolf aber nahm Urlaub und begab sich fort.
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch