Mutabor Märchenstiftung

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Der selbstgerechte Priester

Land: Schweiz
Kanton: Zürich
Kategorie: Sage

Es ist noch gar nicht so lange her, da war in der Stadt Zürich ein Priester. Der predigte an einem Morgen gar harte Dinge, von der Hölle und von dem Jüngsten Tag. Und am Abend sass er bei den Bürgern im Wirtshaus und zehrte seinen Schlaftrunk mit ihnen. Da sprach einer der Bürger zu ihm: «Ei, Herr, ihr habt uns heute harte Dinge gesagt, es wird dort gar zu rauh hergehen.» Sprach der Priester: «Ja, wahrlich, wenn ich es glaube, dass es also sei, wie ich gepredigt hab’, dann mög’ ich hier auf der Stelle sterben.» Kaum hatte er das geredet, da erloschen alle Lichter von selber, und als man ein neues angezündet hatte, da lag der Mann tot am Boden. Da war allen bezeugt und offenbar, dass wahr wäre, was er gepredigt hatte. Wenn die Priester also Ärgernis geben, so sollen sie auch also gestraft werden wie dieser.

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch