Das ringere Übel
Vor Zeiten, wenn ein Übeltäter sollte gehängt oder mit dem Schwerte gerichtet werden, und es kam eine Jungfrau und anerbot sich, den Schächer zum Manne zu nehmen, so ward ihm das Leben geschenkt.
So begab es sich einmal, dass ein armer Sünder schon auf dem Schafott stand und der Henker mit dem Blutschwert neben ihm. Da trat ein Meitli hervor, und zwar gar nicht die leidest, wie man vielleicht meinen möchte, und erbot sich, den Verurteilten zur Ehe zu nehmen. Der betrachtete die käche Jungfrau einen Augenblick, dann sagte er:
«Rots Haar, spitzi Nasä -
Hänker, schlach züo!
Besser einisch glittä, A’s hundertmal gstrittä!!»
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch