Von zwei Baslern, die bei Marignano gestritten
Hans Lützelmann, Fähnrich der Basler, bekam in der Schlacht dreizehn Stiche und Hiebe und lag die ganze Nacht auf der Walstatt unter den Toten. Gegen Tag kam er wieder zu sich. Da sah er von weitem einen, der sich unter den Erschlagenen auf die Knie aufrichtete. Aus seinen Schreien erkannte er, dass es ein Schleifer aus der minderen Stadt war. Da gab Gott beiden Männern soviel Kraft, dass sie alsgemach zueinander hin krochen. Hans Lützelmann als ein ansehnlicher Fähnrich war seiner guten Kleider und Schuhe beraubt worden, also dass er mit blossen Füssen nicht durch das Dorngesträuch gehen konnte. Der Schleifer aber hatte noch sein altes breites Schweizer Schwert. Das legte er dem Fähnrich allemal, wo es gar zu dornig war, zum Schirm unter, auf dass er unverletzt über die spitzigen Dörner gehen konnte.
Dergestalt halfen sie einander als gute Gesellen und treue Landsleute fort. Und als sie endlich zum Lager kamen, da wurden sie von den Eidgenossen mit herzlicher Freude empfangen. Es hatte sich aber der Lützelmann an seinen vielen Wunden dermassen verblutet, dass er von allen Kräften gekommen war und sich in einer Sänfte gen Basel musste führen lassen. Als er heimkam, sprach er seiner Hausfrau tröstlich zu. Der ehrsame Rat der Stadt forderte Bericht von ihm, wie es in der Schlacht ergangen wäre. Da liess er sich auf einem Sessel ins Rathaus tragen.
Hans Bär, der auch als Fähnrich ausgezogen war, wehrte sich bis in den Tod. Und da er besorgte, er möchte sein Banner nicht vor den Feinden erretten können, riss er das Tuch von der Stange und schlug sich bis auf den letzten Atemzug. Als ihm eine Stückkugel beide Schenkel abgerissen hatte, reichte er das Fähnlein seinem Mitbürger Georg Werlin, und der hat’s auch wohlbehalten wieder heimgebracht.
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch