Mutabor Märchenstiftung

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Rudolf von Erlach

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Nun war derzeit ein Ritter, Herr Rudolf von Erlach, der war von Bern aus der Stadt gebürtig, an Graf Rudolfs von Nidau Hof, und war sein Dienstmann, denn er hatte etliche Lehen von ihm. Und wie er sah, dass der Krieg nicht gewendet möchte werden und anging, und sein Herr, der Graf, sich auch darein begeben hatte, sprach er zum Grafen: «Herr, ich habe euch bisher ehrlich und treu gedient. Nun ist Bern, dawider man kriegen will, mein Vaterland, da ich mein Gut hab. Das werd ich verlieren, so ich länger bei euch bleibe. Bitt, euer Gnaden wolle mir versprechen, das wieder zu ersetzen, so ich darum käme, wie denn billig, oder einen gnädigen Urlaub geben, so will ich heimfahren und tun, was der Ehre geziemt.» Der Graf gab zur Antwort: «Es wäre mir zu schwer, so viel Gutes als ihr zu verlieren habt, um einen Mann zu geben und zu ersetzen. Solltet ihr dann bei mir bleiben, und dadurch das Eure verlieren? Das wäre euch auch ein schädlich Ding! Darum fahret heim, und tut den Euren das Beste! Es ist um einen Mann weder getan noch gelahn.» Da sprach der von Erlach: «Herr, so ihr mich schätzet für einen Mann, so sollt wissen und erfahren, dass ich eines Mannes wert bin, und setze darauf mein Leben.» Darauf ritt der von Erlach ab des Grafen von Nidau Hof gen Bern, wo er mit grossen Freuden empfangen und zum Hauptmann erwählet ward.

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

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