D Gschicht vom Roni Sattel
Der Roni Sattel hed im Chrieg mit syner Hellebarde-n-allig eso hert- drygschlage, me hed ihm im Harscht nur de Rumesattel gseid, so| mänge Ryter hed er abem Ross grumt, und de das mit eim Streich, denn der Roni isch e Ma gsi, gross und grad wie-n-e Baum, und| starch wie-n-e Stier, aber chäch und meischterlos. Drum hed er au der Huet nid vor mene jede welle lüpfe und de Here vo Luzärn kei bsunderi Ehr ato. Das aber hed’s ne de gar nid chönne. Und si händ mängisch mitenand grotet, wie si der Roni chönnte foh und em sy Ufsetzigkeit verleide. Si händ em aber nüd chönne-n-aha, denn der Roni hed suscht rächt to und nüd verbroche gha. Wo-n-er do aber wider einisch em Schultheiss bös umegä hed und seid: er chnünli de nur vor em Herrgott und suscht vor niemerem uf der Wält, do händ sich ihrer Siebe z’sämeta und usegfunde, wär däwäg redi, dä syg e gottvergässene Chätzer und mach em Land Schade-n-und Schand. Jetz syg’s de bym Eid afangs a der Zyt, ass me-n-ihm der Prozäss machi, suscht wärd am Änd bald niemermeh d’Obrigkeit respäktiere.
Der Roni hed gwybet gha, e gar hübschi und fyni Frau, die hed Mareili gheisse, und si händ drü chlyni Chind gha. Do amene-n-Obe chöme zwe Gewaltsbote vo Luzärn und wänd de Roni go hole. «Roni», händ’s gseid, «müemer di binde oder wotsch du sälber uf Luzärn goh?» «Nei», seid der Roni, «ich fahr sälber uf Luzäre under d’Auge stoh de Here.»
Und er lauft mitene dur d’Matte der Stadt zue - langsam wie-n-e Schatte, denn d’Frau und d’Chinder händ grüslig briegget und hinder em dry gschroue.
Wo der Roni do uf Luzärn cho isch, sind alli Here-n-uf der Rüssbrugg gstande für ihm willkumm z’säge: «Wotsch du no by dyne Worte sy, So muesch du euse Gfangne sy!»
De Roni antwortet und seid: «Und was ich gredt ha, das red ich noh, By myner Wohret will ich bstoh!»
Do händs de Roni i Torm to, drin sind Chrotte gsi und Schlange und mänge giftige Wurm. Und er hed weder chönne ligge, weder stoh, uf de Chnüne hed er müesse rütsche.
Am Zystig druf isch’s Mareili, sy Frau, mit de Chinder uf Luzärn cho, und wo sie i' d’Stadt yne chund, sind alli Here wider uf der Rüssbrugg gstande und händ gfrogt, was si wöll.
«Lönd mer der Roni Sattel hei!» hed`s Mareili grüeft.
«Mareili, liebs Mareili my, Dy Bitt und Bet isch vil ze chly. Der Roni git üs böse Bscheid. Er chunnt dir währli nümme hei,» händ die Here gseid.
«Und syg ne’s lieb oder syg ne’s leid, ich gibe de Here kei andere Bscheid, Und was ich gredt ha, das red ich noh, By myner Wohret will ich bstoh.»
Und er nimmt us syner Buese-n-es wunderschöns Bätli. «Sä do, sä do, Mareili my, Lis du do drin und dänk a mi.»
Und us syner Täsche zieht er e Windle-n-und e Fläsche. « Sä do, sä do, Mareili my, Bind du dys chlynschte Chindli dry.»
Und us em Bumper zieht er es sydigwysses Lümpli:
«Sä, Lunzeli, nimm du das und briegg, Dänk dra, wie’s mir ergange syg.»
Und us sym Hömli zieht er es schöns Hosebändli: «Sä do, my eltste, Dursli, sä, Ich will dir das zur Letzi gä, Blyb allzyt chäch und allzyt frisch, Vergiss nid, wie’s mir ergange-n-isch. I ha ne treit, iez trag ne du, Und nestle dich gäge d’Here zue!»
Und der Roni hed müesse-n-im Torm blybe sibe Johr und drei Tag, und d’Chleider am Lyb sind em verfulet, sy rot Farb isch em verbliche, und’s Hoor isch em grau worde-n-und wyss. Z’letscht-amänd händ’s Gricht über de Roni ghalte drüevierzg Tag, und die sibe Rotshere händ e verchlagt a’s e schandbare-n-Ufrüehrer und falsche Chätzer. De Roni aber hed sich nur umkehrt und ne gseid, alles syg gloge-n-und keis Wörtli wohr, und derby blyb er. Do händ’s ne gheisse schwyge und em’s Orteil gsproche: er sölli läbig im Für verbrönnt wärde. Das isch amene Frytig gsi, und am glyche-n-Obig isch en Ängel zum Roni i Torm cho und hed gseid.
«O Roni, los ich bi-n-e kei böse, Vom Himmel chumm ich, dich z’erlöse. Roni, stand dyne Worte trü, Du gisch en Engel ins Himmelrych!»
Am andere Morge früeh by Tag, wo’s Glöggli nüni schlohd, füehre sie de Roni d’Stäge-n-ab und am Rodhus verby. Die sibe Here luege zum Fänschter us. Si füere de Roni dur die ganzi Stadt bis vor’s üssere Tor. Deet chnünle sy Vater und sy Mueter und händ bitterlech briegget. De Roni seid:
«O Vatter und liebi Mueter my,- Briegged nid eso bitterli. Mänge stolzere Lyb isch scho verfult, Wenn myne verbrönne muess!»
Sie füere de Roni wyter vor d’Stadt use über e wyti Heid, deet isch keis Gresli und keis Läubli gwachse, nüd weder drü wyssi Blüemli, drü wyssi Ilge. Do streckt de Roni d’Hand us und seid:
«Lönd mi bräche die Blüemeli. Will’s träge mit mer is Für. Und ha vor Gott ich Sünde to, So söllid verbrönne die Blüemli scho. Und han ekei Sünd vor Gott ich to, so söllid die Blüemli ewig bstoh!»
Jez lütet’s Glöggli die ander Zyt, und’s Für isch azündt worde. Der Roni chert sich zo de sibe Here und hebt ne die Blueme-n-äne mit syner rächte Hand. Und em Roni sy Lyb isch vor ihre-n-Auge verbrönnt bis uf die rächti Hand mit de wysse-n-Ilge. Do aber sind drü Tübli cho z’flüge, drü Tübli wyss wie Schnee, und händ de Roni mit sich gno is Himmelrych.
De sibe Here-n-aber isch es übel ergange. Keine-n-isch en rächte Tod gstorbe: der eint isch erstoche worde, der ander hed sich z’Tod gfalle, zwee sind ghänkt worde, und zwee hed me-n-uf’s Rad broche, und der sibet, dä isch gvierteilt worde. Und sibe Rabe sind allig cho z`flüge, sibe Rabe schwarz wie d’Nacht, und händ si mit sich gno is höllisch Für.
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch