Mutabor Märchenstiftung

Fachwissen, Kompetenz, kulturelle Vielfalt

 

 

Paracelsus und die Bäuerin

Land: Österreich
Kategorie: Sage

Auf seinen sonntäglichen Gängen vor der Stadt Innsbruck kam Paracelsus einmal an einem Bauernhof vorüber. Unter der Haustüre stand die Bäuerin und lud ihn freundlich ein, der Herr möge eintreten und ein Weilchen rasten. «Ich habe gerade zum Mittagsmahl Wähen gebacken», sprach sie, «und die sind mir so gut geraten, dass ihr durchaus davon kosten müsst.» Der Doktor folgte der Frau in die Küche und liess sich das frische Backwerk wacker munden; denn es waren duftige, däftige Fladen mit saftigen Zwetschgen und Apfefschnitzen. Dann sagte er: «Weil du so gütig gegen mich gewesen ist, ob ich gleich landfremd bin, so will auch ich dir eine Gefälligkeit erweisen, an die du täglich denken sollst, so lang du lebst.» Und er zog ein Büchslein aus der Tasche seines weiten faltigen Mantels  und bestrich mit einer gelblichen Flüssigkeit die Hälse der Feuerzangen und im selben Augenblick war das Eisen in pures Gold verwandelt und gleisste und funkelte wie das Feuer auf Herd.

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch