Mutabor Märchenstiftung

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Der goldig Bächer z Chleiwange

Land: Schweiz
Kanton: Solothurn
Kategorie: Novelle

D’Husi vo Wange si eisder gross Lüt gsy, chreftigi, stattligi Manne mit Ellbogeschmalz und breite Hände, wo sich so gärn hei lo balle wie Märzeschnee. Villicht sy bald zweuhundert Johr verby, het in der Gmein eine gläbt, het der gross Husi gheisse. Der gross Husi het e Suhn gha, sälbe-n-isch scho gar jung z’Chrieg gange und Granidier worde bym Urähni vom jetzige Prüssechünig. De säl Chünig het die grosse Manne bsunders gärn gseh und schwärs Handgält zahlt für sächsschüehig Regerute. D’Bure hei sälbi Zyt vom Schrybe so weni verstange als hütigtags e Profässer vom ene Heulätsch; und euse Husigross vernimmt mängs Johr nüt, e kei Silbe, vo sym Suhn. Wie wett’s ha chönne sy, - der Jung so wyt i der Frömdi - no hundert Stung hinten am Fricktal, und der alt Ätti hieumenangere im en ablägne Dörfli und nüt i der Fädere.

Aber do chunnt unverhofft in’s Gäu abe-n-es Gmunkel, der Chünig vo Prüsse werd z’Solothurn verbyreise; er gang i’s Wälschlang go Trübel ässe und wärd in der Stadt obe-n-es paar Tag raschte. Dem Husigross fangt ’s Härz a läbiger chlopfe, wo-n-er das vernimmt, und s het grunge mit em, er möcht doch au wüsse, wie ’s sym Suhn gang unterm Gwehr, und öb er si guet ystell; - heb ihn jetz au so mängs Johr mit keim Aug meh gseh, ’s wär grüsli, wenn si uf der Wält nie meh z’sämme chämte. Er setzt der breit Huet uuf, nimmt der Stäcke i d’Hand und der Wäg unter d’Füess, Solothurn zue, für sälber mit em Herr Meischter z’rede und z’froge, was der Suhn läbi und öb me chönn z’fride sy mit em.

Wie de Bursma zum Eichtor yhe trampet, isch z’Sant Urse grad d’Chilchen us gsy; der Schultheiss mit em Rot und e Schar süst so Herre begleite der frömd Fürscht usem Gottesdienscht zrugg in sy Herberig. E Mängi Volch isch zwäg gstande rächts und links, für dem Spil abzluege. Der Husigross, nit schüch, drückt i das Volchwärch yne, bahnet si mit syne zwo Balle-n-e Wäg bis fascht zum Chünig und mag ihn mit em Oberlyb by nochem erlänge-n-und’s Wort isch em scho uf der Zunge gläge: «Dir, Chünig vo Prüsse, was will i säge -, wie haltet si my Bueb? » Do packe ne zwee Harschierer a de länge Chittelfäcke und zere ne z’rugg. «Holleho Manno!» heisst’s ganz ruch, «was heit er im Sinn? Jetz git der Chünig kei Bscheid!» - Dem Bursma isch das Wort so unverhofft cho, ass er sich nit weiss z’fasse; es isch em grad gsi, ass dümpli er gächlige in e Züber voll Schneewasser, d’Zunge isch em styff worde, und Chlobe-n-und Spange vom Unterchifel hei es Rüngli ufhöre spile. Wo-n-er wider erwachet us syr Stürmi, isch der Chünig scho furt gsi, wyt in der Stadt vorne-n-i sym Wirtshuus, und ’s Volch mehrteils verlaufe. Um euse Gäuerma het si kei Mönsch meh bekümmeret, bloss etlig meischterlos Stadtbuebe sy no vo Wytem um ihn ume gschliche, für de läbändig Christoffel und sy breit Huet z visitiere. Ihn aber het die vergäbni Reis und verlorni Zyt graue zum Würge, und wo-n-er a die zwee dürre Harschierer dänkt, isch em d'Galle gstige wie ime taube Güggel d’Äckefädere. «Uf Solothurn laufe, der Chünig gseh, möge-n-erlänge und doch nit chönne mit em rede, so wäge papyrige Polizeimanne - mir, dem Husigross vo Wange, wo-n-e Suhn het hundert Stung äne-n-am Fricktal! mir, dem Husigross, wo acht Seck Zehntechorn untersmol i’s Chornhus treit – mier muess die Schmoch passiere!  Millionsdonner, me sett mi dur d Spitzruete jage! Hei zue jetz, Husi! du hescht di Sach nit guet gmacht!»

Unterwyle-n-isch der Chünig mit syne Trabante hintere Mittagstisch gsässe und het kalatzt. Mitts im Gspräch frogt er zwüschen yhe, was es hüt für ne Ufruer gä heb bym Heigoh us der Chilche; öb öppe-n-es jungs Burefraueli wohl chäch drückt worde-n-und in Verlägeheit cho syg? «Nei, im Gägeteil», hei d’Lageue gseit, «im Gägeteil en gewaltige Burekärli syg ime Zwilchchittel stötzlige uf iri Majestät loskallet mit eme dörnige Knötzlistäcke i der Hand - si hebe für ihrer Majestät Läbe gforet und de Ma weggjagt!»

Dem Chünig aber het e guete Geischt yküselet, so gar gfohrlig syg s denn doch nit gsi; balget e chly, ass men au gar niemerem meh well traue, und lot ufe Märet füre Bricht mache, de gross Burema sell si cho zeige und säge, was sys Bigäre syg.

Vorem Zytturm hei allerlei tätigi Mannevölcher ihri Schuflezähn gsunnet; aber der Samsun usem Gäu syg scho furt, het’s gheisse. Dernoh lot der Chünig Staffette-n-abfahre, er sell der Husigross, wenn’s möglig syg, wider yhole und z’ruggbringe; es syg em Herr leid um alls Ungschickts, wo d’Harschierer agstellt hebe. - Z’Attiswyl by der Sage isch em der Rüter uf de Färse nohe gsy, redt ihn a und leit ems’s gar ydringlich a’s Härz, er sell doch umchere und der Chünig nit bös mache; ihri Majestät möcht gärn es paar Wort mit em wächsle.

Der Husigross het der Chopf nit so hoch ufbänglet gha, ass es nit möglig gsi wär, ihn wider abezlo, het es Gleich gmacht, goht mit em Staffette wider z’rugg und lot si gradewägs zum Chünig füere. Me cha wohl dänke, ass es am ganze Tisch läbig worde-n-isch, wo euse gross Husi uf syne massive Pächschuene in Saal yhe pochlet.

«Was git’s Guets, Manno?» frogt der Chünig. «He, i ha welle cho ge vernäh, wie si my Bueb ystelli; er het vor etlige Johre z’Chrieg dinget unter Euers Volch. Vergange säge si mer do, me chönnt’s do oben am beste-n-erfroge.» «Wie isch sy Name?» «Er heisst Husihans und het ufem lingge Backebei e Düele vom e Streich mit me Pfundstei; er und der Spittelbergdursli si neumen einischt uneisgsi.» «Und gross isch er au?» «I meint’s, grad wie-n-ig, - und e Bart het er scho fascht, syt ig ihm die erste Hösli ha lo mache -, und im Chugelebängle mag ihn de keine!» «Vatter, dä Ma isch mer gar wohl bikannt», seit der Chünig, «und wohr isch’s, was Der säget: bym Chugelebängle het er si scho uszeichnet, drum treit er au es Ehrezeiche uf der Bruscht, wie’s billig isch!» «He nu, ’s isch jetz scho rächt; i ha ebe zwyflet gha, er verhocki öppe ganz obem Chnöpfputze; gät em ume mithin echlei Pulver z’schmöcke, so jung Burschte meine süscht gly, me heig si ume fürs Gstaat. Und de, wenn Der wider hei chömmet und er Ech alauft, so löi ig ihn grüesse und es freu mi, ass me so guete Bricht von ihm ghör; er sell si eisder tapfer schloh, aber nit z’vil Medalli und dere Zöttelizüg ahänke; uf sälben han i nüt. Jetz bhüet Ech Gott!» «Jä Vatter, so lot me-n-Ech doch de nit furt, absolima nit», seit der Chünig, «jetz müesst Ihr no nes Glas Wy mit is trinke. Chömmet -, nämet do Platz näbem Herr Jungrot!»

«Im Wy säge-n-i süscht nit ab, aber ’s isch doch echlei uverschannt und grob, so zwüsche grossi Herren yne z’sitze; aber si werden au für öppis gnädigi Herre heisse, und wüsse wohl, wie sälte-n-ass euserein zum e settige Schläck chunnt.»

Er wogt’s und will absitze, do chömme zwei, drei Lageue z’springe, eine will ihm mit Gwalt der Stäcke us der Hand näh, en andere der breit Huet, für ihn dänne z’tue, und der dritt längt ihm sogar noh’m blüemte Reisseckli; aber das hätt er um kein Prys us de Fingere glo: ’s isch es zweupfündigs Schabzigerstöckli drin gsy, für’s Mueterli daheime; er het’s vergange mängisch über e bösi Zunge ghört chlage - das Artikeli sell guet sy dergäge. - Die ganzi Gsellschaft het jetz a dem Burema ihri Freud gha, und bsungers der Chünig will fascht nümme-n-uufhöre mit em plaudere. Das isch e Läbtig gsi für euse Husigross; er hätt kei roti Chue dra tuschet, und ’s isch ihm leid gnue gsi, ass ihn usem ganze Gäu au nit en einzige Mönsch gseh het i syner Herrligkeit. Dä chöstlig Wy und die prächtige Sache ringsum hei’s ihm de chönne, und in churzer Zyt isch’s ihm gsi, er möcht no chly länger do blybe, so mit em Chünig vo Prüsse und süst ryche, grosse Herre wär ganz guet noche z’cho. Gredt hei si  z sätnme so offe-n-und guetmeinig, wie wenn’s deheime-n-im Ofenegge wär, und was zum Verwungere gsi isch: Alls was der Husigross seit, dunkt ihn, heb Geischt, Grütz, sys Rede het Sinn gha, Chopf und Füess, ass er si frei sälber muess verwungere drüber, ’s isch jo ganz natürlig, dänkt er, ’s isch ganz natürlig, ass die Vornähme so hitzig sy; wenn ig all Tag dere Wy hätt, i wett gly chönne rede wie Häftlimacher oder angeri gschydi Lüt. Jetz merke-n-i öppis: Wäm Gott dere Wy git, dem git er au es guets Mul!

Zum Abschid seit dernoh der Chünig: «Jetz, my liebe Ma, nähmet do mys Bsteck als Adänke mit ech und syt unbekümmeret um Eue Suhn, zu däm wei mer scho Sorg ha!» - «Mys Bsteck?! Was isch jetz das? Mys Bsteck? - Weiss er jetz au scho, ass ig es Strauhus ha und e bösi Firscht? - Mys Bsteck? - Verstohne nit! – Mys Bsteck? »

D’Verlägeheit het dem guete Bur zu alle Chnopflöchere-n-us- gluegt und er het si frei etfärbt; grad vorhär noh so witzig chönne rede, z’trotz eme-n-Afflikat, und weiss jetz nit emol, was es Bsteck isch. - Muess si jo schäme z’froge! Und au der Wygeischt het kei Uuskunft gä! ’s isch bym Sakerlot e Schand für’s ganz Gäu! Öpper vo der Uufwart het dernoh d’Ursach errote, warum ass der Husi ufsmol so ne gspässige Lätsch het gmacht und macht zwitschem Chünig vo Prüsse und dem Husigross vo Wange der Dolmätsch. Aber wohl! Das het taget ufs Husigrosse Stirne, won ihm der Chünig zerscht e silbrige Löffel und Gable, dernoh e schwäre silbrige Täller und zletscht no dä prächtig übergüldet Bacher ufnötiget - das isch es Näh gsy, potz Wätter wille, so en Ehr isch vorher no keim Gäuerma bigegnet gsy, keim vo Chleiwange bis i Schweissacher uhe!

Me cha dänke, was das für ne Freud gsi isch im Hüüsli vo dem nötige Ma, wo-n-er mit syne Choschtbarkeite-n-achunnt, und was für nes Gred das wird gä ha im Dorf und i der ganze Gegend, wo-n-er syni Gschänk au andere zeigt, schön i Sydewatte-n-ypackt. Meh als es Mönschealter dure isch dä Bächer es wärts Familienerbstück gsi und wie-n-es Heiligtum sorgfältig uufbewahrt blibe, bis einisch schwärs Unglück das Huus heimgsuecht het und die Lüt nötiget, das Chleinod z’verchaufe. Aber zur Familie us hei si dä merkwürdig Bächer doch nit glo. Der Husiwirt z’Wange het ihn erstange, und do isch er neuerdings zu grosse-n-Ehre cho. Alli Hochzyte, wo im Wangner Wirtshus gfyret worde sy, - es sy mehrteils die rychschte Burelüt dörthi gange - alli het der Wirt ufem Platz usse mitem goldige Bächer empfange. D'Hochzyteri het der erscht Zug druus trunke, denn het er d’Rundi gmacht vom erschte Gascht bis zum letschte. Und ’s het e Zyt gä, wo d’Gäuerchnabe-n-und Meitli mit strahlendem-Auge grüemt hei:

«Au ig ha scho gsugget am goldige Bächer z’Chleiwange!»

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

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