Mutabor Märchenstiftung

Fachwissen, Kompetenz, kulturelle Vielfalt

 

 

Der Müller vo Rickebach

Land: Schweiz
Kanton: Solothurn
Kategorie: Novelle

Vor Zyte, do sell’s albe au no Manne ge ha, wo hei dürfe ne Fuscht mache. Vor hundert und meh Johre het uf der Rickebacher Müli e Ma ghuset, dä isch rycher gsi, as die ganzi Gmein.  Ross und Veh het er albe lo weide ’s Land uf und ’s Land ab - e Truppele, wenn scho nes Häuptli dervo verlore gange wär, er hätt’s nit emol gmerkt. Dä Ma isch by sine Läbzyte wyt umenandere bekannt gsi, und wo-n-er hi cho isch, het me mit Fingere-n-uf ihn zeigt. Einisch het er im Städtli Aarburg Gschäfte gmacht und muess grad au ime guete Lun gsi sy bym Heifahre. Er het gseh, ass ihm d Lüt zu den Fänschtere-n-us nohgöffle, wie wenn er Hörner hätt- derno zieht er der Geldseckel füre und het ne mit Brabäntertalere d Schybe-n-ygschlage. D’Lüt si use cho z’springe, was gisch, was hesch! und hei-n-em die ergschte Schlötterlig nobrüelt. Aber er het ume glachet und gseit, sie selle doch au die Schiferestei visitiere, wo n-er yhe bänglet heig.

`sisch e Mol grossi Ängelwychig z`Eisidle gsi, und de Müller het au welle go. Zu selber Zyt het me-n-aber no keini Dampfschiff gha uf em Luzernersee, und kei Isebahn vo Bade-n-uf Züri – me-n-isch z`Fuess gange und het ä rächte Stäcke mitgno und e paar Chüechlischnitte-n-i nes Säckli, und isch so weni is Wirtshus, ass me het müesse. Das isch öppe-n-au no gwallfahret gsi! – Jä, was ha-n-i welle säge? Jo, der Müller het de e grosse, mächtige Hung gha, dä het Wächter gheisse. Dä Hung isch bständig bym Müller gsi und het z`Nacht näbe`s Müllers Bettzue gwachet. Aber uf Eisidle hätt mer so nes Tier nit dürfe mitneh, es hätt si nit gschickt. Bym Furtgo het’s der Müller i sym Hung z’verstoh ge, er müess das Mol deheim blvbe, und d’Chnächte hei der Hung ungers Müllers Auge müesse-n-ysperre. Der Müller isch abgreist. Aber z’Obe isch der Wächter ertrunne und uf und furt und im Meischter no. Und unlang so isch er ihm noh cho. Aber wil im Hung ’s Gwüsse gseit het, er heig gfehlt, so isch er ume so vo Wytem hingerem här noh glaufe, ass dä ihn emel nit erblicki. So nes Tierli het drum mängisch meh Verstang as e Möntsch. s isch afe ordli feischter gsi, und gechlige chömme drei Räuber us em Holz use z’schlyche und hinger em Müller her. Do wär’s ihm gwüss um sys Läbe gange - aber der Wächter het’s au vo Wytem gmerkt und ghört, was im Spil isch und schiesst bogeswys druf los, und isch grad no früeh gnue cho für i dene Hallungge 's Mani z’singe. Dä het se-n-überschlage, ass si’s Uffstoh vergässe hei, het ne d`Hose vom Hinger ewäg gschrisse und ei Fäcke do use gschnellt und der anger dört use, und das isch alls so weidli gange, dass der Müller ehnder hätt chönne glaube, der Hörndlima syg hinder si grote. Wie der Müller gluegt het, wo sy eige Hung, dä me-n am Morge hinger Schloss und Riegel gsperrt het, so lustig an ihm uehe gsprunge-n-isch und ihm fascht het welle d’Hut abschläcke!

Jetz isch`s am Müller gsi, dene Schelme grad der Garus z`mache. Die si froh gsi, mit de lätze Hose-n-und verrissene Wade dervo z`springe, und echli hurtig, und hei chönne Gott danke,ass`s ne nit schlächter gange-n- isch. Jetz het der Wächter doch dörfe mit uf Eisidle. Dört het der Müller e grossi Cherze gopferet und Mässe lo läse, und zum ewige Gidächtnuss het er sich i der Chlosterchile lo ufmole, wie-n-er dört bättet het, und der Hung näbe-n-an ihm am Bode gläge-n-isch. I ha die Tafele sälber gseh: si isch z`hinderisch i der Chilche-n-a der Decki obe gsi. A dem Platz aber, wo-n-er vo de Schleme -n-überfalle worde-n-isch, het er es Chrüz lo ufstelle. Wer uf Eisidle goht, chas gseh; es stoht jetz no, nit wyt  vom Büelinsacker bym Rüschibach.

Im Bärg äne het der Müller e grosse Wald gha, grad obe-n-a Bärewyl, me seit ihm jetz no s’Müllers Bärgli, do het er denn albe mit- hine i der Pinte z’Bärewyl es Glas Wy trunke. Denn sy allimol die arme Mannli us em ganze-n-Örtli derher cho z’trampe und hei guenet. Für ne chlei Muet z mache, het er denn öppe-n-e Channe voll Wy lo uffstelle, ass si härzhafter hei dürfe zue-n-em sitze. Im eint oder im angere het er erlaubt, ungscheniert das dürr Holz im Bärg zäme- z’läse oder Stöck usz’mache, und uf die Art het er’s ganz Gmeinli gwüsst z locke, ass ihn alli gehret hei, wie wenn er grad no’m Herrgott chäm.

Wo-n-er wider einisch uf Bsuech cho isch go Bärewyl und dene Lütli het lo z’trinke gä, und afe-n-all e chlei es Zwirbeli gha hei und Hudelwetter im Chopf, bringt eine vor, me sett doch dem Müller au luege-n-e Gegedienscht z’erwyse. «Jä, was chönne mir ihm gä, das er nit scho het, wo mir jo selber nüt hei?» het der ander gseit. «Lyb und Seel!» het dise grüeft. Und all si ume Müller ume gstange, hei de Baslerherre abgschwore, drei Finger ufgha und im Müller ghuldiget. Nit lang isch’s gange, so hei die gnädige Herre vo Basel vernoh, ass ne d`Bärewyler abtrünnig worde syge und dem ryche Müller vo Rickebach ghuldiget heige, und föi mit ihm e Prozess a und heinim sys Untertaneländli wider abgwunne. Mit dem isch’s aber nit gnue gsi. Der Müller hätt als ne Ufwiegler selle ne gottlosi Strof uf Basel abe zahle, si hei wohl gwüsst, die gnädige Herre vo Basel, ass er`sRupfe mag erlyde, und hei-ne-n-au derfür putzt. Aber my Müller isch au nit mit Strau usgstopfet gsi und het si gwüsst z`chere: Er lot ne bym Goldschmid es guldigs Säch mache und schickt’s uf Basel abe. Dä, wo’s abetreit het, het müesse säge dunde, der Müller heig der Augeblick nit gnue bars Geld im Trog, si möchte doch so sy und das Säch a d’Zahlig näh. Was’s ihm öppe mög fürgschiesse, das selle si denn öppe z’ruggschicke. Jetz, wo d’Basler das Säch hei lo schatzige, het es si zeigt, ass nit gnue Gäld in ihrer Staatskasse gsi isch für dem Müller sy Überschutz usz’zahle. Derno hei si-n-ihm gschribe, er sell d’Langebrugger au no mache z’huldige, si welle-n-ihm denn scho heusche, ass es grad wett uf göi.

Jo, aber was i noh ha welle säge: Wo der Müller gstorbe-n-isch hei d’Erbe ’s Gäld mit em Mäss teilt und si au wider rychi Lüt worde die hablichschte-n-im ganze Land. Es git zwor au hütigs Tags no so Manne, wo’s Gäld schuflewys ewägg gheie, aber si finde de gwönlig e  Meischter, gäb ne der Tschupp grauet, und zletscht frässe si no d’Lüs. Dem Müller sy Gäldchiste-n-isch teufer gsi und het weniger Löcher gha as im Bachsepp sy Fischtrog; ’s het si möge-n-erlyde!

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

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