Mutabor Märchenstiftung

Fachwissen, Kompetenz, kulturelle Vielfalt

 

 

Der Urispiegel und der Teufel

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Schwank

Einmal stritten der Urispiegel und der Teufel wegen eines Gartens denn jeder wollte ihn besitzen. «Weisst du was,» sagte da der Urispiegel, «so teilen wir uns halt allemal den Ertrag. Was willst du: das, was über dem Boden ist, oder das, was unter dem Boden ist?» Den Teufel deuchte das ein guter Vorschlag, und er wünschte, was über dem Boden wäre. Da ging der Urispiegel hin und setzte Rüben, und der Teufel bekam nur das Kraut. Das andere Jahr wollte der Teufel, was unter dem Boden wäre. Da ging der Urispiegel hin und säete Korn, und der Teufel bekam nur die Wurzeln.

«Nein», sagte der Teufel, «so geht das nicht. Das müssen wir anders machen: wer einen Stein am höchsten in die Luft wirft, dem soll der Garten gehören.» «Gut und wohl», sagte der Urispiegel, «fang du an.» Da warf der Teufel einen Strahlstein so hoch in die Luft, dass es eine ganze Weile währte, ehe er wieder herabfiel. Der Urispiegel aber nahm einen grauen Vogel und warf ihn in die Luft, und der kam gar nicht mehr herunter. Da hatte er den Garten gewonnen.

 

Einmal haben der Urispiegel und der Teufel miteinander gewettet. Beide sind auf einen feurigen Ofen gesessen. Wer zuerst herunter müsse, habe verspielt. Der Teufel schoch die Hitze nicht. Aber dem Urispiegel machte es bald warm, dann heiss und zuletzt so heiss, dass er anfing auf der Platte hin und her zu rutschen, damit ihm s Füdli nicht verbrenne. Der Teufel lachte und fragte, was er da so zu fegnesten habe. «He», sagte der Urispiegel, «ich such mir nur ein wärmeres Plätzchen.» Da schnitt der Teufel ein Gesicht, wie wenn er in Kuhdreck bisse, denn ihm machte es nachgerade wacker heiss. Und mit einem Fluch ist er vom Ofen gesprungen, und verschwunden war er.

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch