Wie der erste Walliser erschaffen ward
Auf seinen vielen Fahrten in der weiten Welt kam unser Herr auch einmal durchs Wallis gewandert, und mit ihm waren St. Peter und Philipp. Bei Martinach betraten sie einen dichten Wald. Darinnen machten sie Rast. Sie setzten sich nieder, assen, was sie bei sich hatten, und taten dann ein Schläfchen im weichen Moose. Unterweilen aber ballten sich die Wolken dicht und schwarz, ein Sturzregen rauschte herab, und des Heilands Mantel wurde pflotschnass. Nicht lange aber, so schien die liebe Sonne wieder vom heiteren Himmel. Da erblickten die Jünger unweit einen Baumstumpen, der oben einen grossen Knupen hatte. Darüber spreiteten sie den Mantel aus und warteten, bis er trocken war. Als sie sich wieder auf den Weg machten, da sagte Petrus: «Lieber Meister, der Stotz da hat gut getan. Mach einen Menschen aus ihm!» Gütig wie immer erfüllte der Herr ihm diesen Wunsch. Und wunderbar! Der Baumstrunk gewann Menschengestalt, und so vollkommen ward er verwandelt, dass auch jener Knorren wieder mit da war - vorne am Halse.
Dergestalt ist der erste Walliser erschaffen worden.
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch