Wie die Merliger den Berner Staatsschatz gehütet haben
Als Anno 1798 die Franzosen ins Land kamen, den Eidgenossen die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu bringen, - aber nicht umsonst, denn sie nahmen dafür alles, was jene hatten, - da mussten die Herren von Bern auch ihren Staatsschatz herausgeben, den sie in langen Jahren des Sparens aufgespeichert hatten aus den Steuern und Abgaben der Bürger und Untertanen. Mit dem hat dann der General Bonaparte, nachmals Kaiser Napoleon, seinen Feldzug nach Ägypten ins Werk gesetzt. Ein Teil aber ward noch rechtzeitig heimlicherweise ins Oberland gebracht, denn dahin, meinte man, würden die Franzosen nie und nimmer kommen. Man verteilte das Gerettete auf verschiedene Orte, damit nicht alles verloren sei, für den Fall, dass was gerade gedacht etwa doch krumm gehen sollte. Auch die Merliger erhielten einen wackern Schübel. Als nun aber die Franzosen sich nicht damit begnügten, in den Lauben zu spazieren, sondern auch ins Oberland vordrangen, da ward es den Merligern doch bange für den Schatz. Und um ihn recht sicher vor jedem Griff zu bergen, beschlossen sie, ihn in den See zu versenken, da wo er am tiefsten ist. Damit sie jedoch die Stelle jederzeit leicht wiederfinden könnten, hieben sie an dem Schiff, mit dem sie hinausgefahren waren, eine kräftige Kerbe zum Malzeichen und fuhren heim.
Seither sind die Merliger untröstlich, dass sie den Schatz gleichwohl bis auf den heutigen Tag nicht haben wiederfinden können, und einige hoffen noch immer, es möchte doch noch einmal gelingen.
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch