Noch ein Merliger Stücklein
Ein ehrsamer Bürger von Merligen ging einst in den Wald, um Tannenäste, die für einen Gartenhag hergerichtet waren, heimzutragen. Er lud sich gemächlich einen Ast um den andern auf die Achsel und sprach zu sich selber: «Kann ich einen tragen, so kann ich diesen auch noch nehmen», und fuhr so fort, sich Äste aufzuladen, bis er gegen hundert zu tragen hatte. Aber beim hundertsten ward ihm die Bürde zu schwer. Also lud er ihn ab und sprach wieder zu sich selber: «Ja, wenn der zu schwer ist, dann ist der auch zu schwer», und lud den neunundneunzigsten ab und fuhr so fort, bis er den letzten wieder abgelegt hatte. Dann ging er mit leeren Händen nach Hause, höchlichst zufrieden mit sich und dem getanen Tagewerk.
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch