s Fasnecht-Hüenli
Es isch einisch do in eusem Ländli e schröckligi Hungersnot gsy, und rych und arm het glych Mangel glitte. Do läbt im ene Dorf, i weiss nümme, ob’s z’Hägedorf oder z’Rickebach gsy isch, en armi, armi Witfrau mit feuf Chinge; i der ganze Gmein hei die Lütli kei barmhärzige Mönsch gha als der Pfarherr; dä het ne ghulfe, so lang as er sälber öppis het chönne ermangle, aber wo syni Händ sälber lär gsi sy, isch i Gott’s Name ’s Hungerlyde agange.
Das Witfraueli mag si derdur gschwinge bis im Hornig, aber a der junge Fasnecht het si überall nüt meh im Hus gha für unger d’Zäng als es Hüenli. Derno seit si zu de Chinge: «Wil’s hüt jungi Fasnecht isch, wo anger Lüt süst Fleisch hei bis gnue, so wei mir jetz das Hüenli abtue und choche. Mir ässe dänk de ’s letscht Mol bynenangere.» - Si chochet das Tierli und d’Ching briegge. Ändlige isch der Brotis uftreit worde, und alli sy zum Tisch gsässe und wei zuelänge.
Jetz isch mängi Wuche lang weder das Witfraueli, no ihri Ching meh gseh worde, und d’Lüt hei’s im Pfarherr z’wüsse to, er sell doch go luege, öb villicht alli gstorbe syge. Am Karfrytig z’Mittag goht er und bsuecht das Hüsli. Was gseht er? Die Witfrau und ihri feuf Würmli si alli ume Tisch ume gsässe und hei gschloofe, und’s Hüenli i der Schüssle het no dämpft, wie wenn’s grad us der Pfanne chäm. Der Pfarherr verstunet schier, wo-n-er das gseht. Er weckt si und seit zum Fraueli: «Aber was dänket ihr au, am hütige Tag go Fleisch choche?» - «Lueget, Herr Pfarer», seit d’Mueter, «so arm sy mir afe, ass mir keis Brösmeli meh z’ässe im Hus inne hei, as grad das Hüenli, und wil’s hüt jungi Fasnecht isch, wo anger Lüt au Fleisch hei, han i dänkt, i well de Chinge no das Letschte go choche und de stärbe, wenn’s der lieb Gott so well ha.» - « Jä so?» frogt der Pfarer, «heit Ihr hüt jungi Fasnecht? ’s isch jo Karfrytig!» - Jetz hei die guete Lütli erscht gmerkt, ass sie die ganzi, längi, vierzigtägigi Fastezyt us gschloofe und us bsungerbarer Gnad die bitterschti Not überstange hei.
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch