Der Chnab uf em Fluss
Es ischt emol en Chnab im e Schiffli ine gsässe-n-und gfahre-n-uf eme Fluss, wo vil breiter gsy ischt weder d’Töss. Er hät welle-n- überdure zu syre Liebschte, eme gstaats Mäitli, wie’s wyt und breit ekeis meh gha hat. Wo-n-er i d’Mitti use cho ischt, so hät er öppis ghört rüefe, wie wänn öpper am Vertrinke wer. Er lueget ume und gseht en alti Frau zable, wo’s Wasser am tüüfschten ischt. Er git aber nüt drum und ficht, se vil er mag, dass er bald überänne seig. Die Stimm rüeft äisig no, aber vil lysliger und schwecher. Underdesse schwimmt die alt Frau hert am Schiffli dure-n-und durab, und’s Rüefe nimmt en Änd.
Aber äismols, chuum e paar Chlofter vorn Schiffli ewäg, stygt öppis us dem Wasser uf, wie-n-e wysses Näbeli. ’s ischt e Wyb, aber kä brumpfeni Alti, näi: ’s schönscht Mäitli, wo me hett chönne gseh, no vil, vil schöner weder des Chnabe Liebschti, wo scho dänne bym Wuer gstande-n-ischt und gwunke-n-und planget hät. De Chnab achtet’s aber erscht, wo das Mäitli us em Wasser rüeft: «Fahr alliwyl, fahr zue in Ebigkeit!» Wo-n-er umelueget, so gseht er, wie’s langsam durabschwimmt, wie-n-en Schwan. Und im wird’s öd und bang um’s Herz, s’ischt nid zum säge, e gränzelosi Sehnsucht chunnt über ne no dem frömde wysse Mäitli; und er vergisst sy Liebschti däne-n-am andere Bort und ruederet der Frömde no, wo äisig glychwyt von im ewäg vorusschwimmt und nüt loset, wie-n-er iez rüeft und ahalt, sie sell em warte, und nu dann und wann ires Gsicht, ’s süberscht, wo me hett chönne gseh, gäge-n-im iechehrt - aber nüd früntli, sondern gar ernscht und bös.
Und dewäg isch dänn de Chnab durabgfahre Tag, Wuche-n-und Johri lang, aber das frömd wyss Mäitfl hät er nie möge-n-erlange, und eso ischt er gfahre sys ganz Läbe dur bis i d’Ebigkeit ie.
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch