Die kluge Frau
Der Barthli Flütsch in St. Antönien wollte einmal recht früh auf seine Bergwiese, um zu heuen, und sagte seiner Frau, der Uschi, sie solle ihn präzis um vier Uhr wecken und das Morgenessen für ihn parat halten. Schön und gut. Aber wie machen? - denn schon lange Zeit wollte ’s Zyt nicht mehr recht gehen, und doch wollte der Barthli auf die Stunde geweckt sein. Aber die Uschi, die wusste Rat. «Gang nu, ich weck di sicher», sagte sie und schob ihn in den Schlafgaden. Dann setzte sie sich auf die Ofenbank unter die Uhr, trüllte Döchte und rüstete Unschligg zum Licht und trieb unablässig den Perpendikel die ganze Nacht hindurch. Und der Barthli wurde zur rechten Zeit geweckt, war aber gar nicht zufrieden, dass das Morgenessen nicht gerüstet war. «Wer hätti denn tryba söllä?» sagte Uschi, und das war wohl gesprochen.
Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch