Mutabor Märchenstiftung

Fachwissen, Kompetenz, kulturelle Vielfalt

 

 

Die trauernde Witwe

Land: Schweiz
Kanton: Aargau
Kategorie: Sage

Es isch emol e Frau gsi, und dere isch ihre Ma gschtorbe. Do het si am glyche Tag, wo-n-er hät sölle begrabe werde, e grosse Pfanntotsch gmacht. By der Bigräbnuss, wo der Todtegräber de Ma is Grab abe glo het, sind no alli Verwandten um’s Grab ume gschtande und händ grüsli briegget, und au d’Frau het ihres Fürtuech vor d’Auge gha und - briegget, meinet ihr? Jo, das hätt si allweg sölle tue, wenn si e rechte Frau gsi wär und ihre Ma lieb gha hätt. Aber nei, grad ’s Gägeteil! Under dem Fürtuech, wo si für d’Auge gno het, ass me hätt sölle glaube, si brieggi, het si de säll Pfanntotsch verborge gha und het e gässe, und die andere Lüt hänt’s nit gseh. Und allemol, wenn si wider e Mumpf abbisse het, het si dezue gseit: «O, das isch ietz au ne guete! e so eine ha-n-i ietz au myner Läbtige noni gha; eh, das isch iez au ne guete!» und denn händ d’Lüt gmeint, si sägi, si heig gar e guete Ma gha, ass si ekei bessere me chönnt übercho.

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch