Mutabor Märchenstiftung

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Vor der Schlacht bei Laupen

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Also ordneten die Berner sich zum Streit. Da befahl Rudolf von Erlach, dass jedermann seine Wehr recht und ordentlich in die Hand nehmen sollte und rief überlaut hinter sich unter sein Volk von Bern und sprach: «Wo sind nun die Gesellen, die zu Bern Nacht und Tag auf den Gassen umhertreten in Federn und Kränzen und hofieren an den Tänzen und allewege frisch wollen sein? Die treten jetzt hervor zu mir an den Tanz und stehen vor der Stadt Banner als eine feste Mauer und behalten unserer Stadt Ehre.» Da traten hervor zu ihm die Metzger und Gerber und sprachen: «Herr, wir sind hier und wollen tapfer bei euch stehen und tun als biderbe Leute, was ihr uns heisset.» Also war männiglich gehorsam, Edel und Unedel, und alle Handwerker, niemand ausgenommen.

Und wie man alle Dinge wohl geordnet, zogen sie hinaus auf das weite, ebene Feld gegen den Feind. Da rückten ihnen die Feinde in guter Ordnung entgegen. Da begann es etlichen in derer von Bern Haufen ab der Sache zu grausen, und sie wichen hinten wieder ab gegen den Rain, und etliche flohen gar hinweg in den Forst. Die wurden hernach die Forster genannt und ihr Leben lang verschmäht.

Nun vermochte Herr Rudolf von Erlach da vorne der Hinteren Flucht nicht sehen. Da sprach einer zu ihm: «Herr Hauptmann, es fliehen da hinten viel Leute von uns!» Da antwortete der von Erlach: «Es ist nur gut und besser; die Spreue ist von den Kernen gestoben. »

Also griffen die von Bern männlich an.

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

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