Mutabor Märchenstiftung

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Jordan von Burgistein

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Des Tags, als der Streit zu Laupen geschah, schickte der Ritter Jordan von Burgistein heimlich einen Boten in den Forst, zu erkunden, wie der Streit ausschlagen wolle; denn er war denen von Bern gar feind und hätte sich gefreut, wo es ihnen übel ergangen wäre. Und als der Bote dem Streite zulugte und sah, dass der Herren Macht so gross und derer von Bern so klein war, und auch sah, dass etliche aus dem Volke derer von Bern vom Haufen flohen in den Forst, gedacht er nichts anderes, denn die von Bern wären sieglos, und machte sich behend wieder heim und sagte seinem Herrn gute Märe, dass die von Bern im Streit unterlegen und geflohen wären. Des war der von Burgistein über die Massen froh und sprach: «Das ist ein guter Schmied gewesen, der diese Waffen gegen Bern geschmiedet», meinte damit, er wäre der Schmied; denn er war der gewesen, der von erst auf diesen Krieg angeraten und zuweg gereiset und deshalb dieses Streites Ursächer gewesen. Da, des andern Morgens früh, vernahm er andere Märe, wie die von Bern gesiegt. Da verging ihm seine Freude und verkehrte sich in Leid. Er vernahm auch, es wäre wahr, dass sie gesiegt. Zur Stunde zogen die von Bern mit ihrem Volk vor seine Feste Burgistein, und als Herr Jordan wollt aus der Feste das Volk besehn, zog er seinen Helm ab und lugte oben heraus. Da war einer von Bern, ein guter Geselle, hiess der Wyffli, der hat seine Armbrust gespannen und schoss ihn zutot. Da sprachen derer von Bern Knechte: «Das ist ein guter Schmied gewesen, der diesen Pfeil geschmiedet hat!» Darauf ward die Feste gewonnen und zerbrochen.

Aus: C. Englert-Faye. Us der Gschichtetrucke. Ein Schweizer Volksbuch für Jung und Alt, Bern 1963. 

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