Der Schlangenbanner in Schlappin
In der Alp Schlappin sollte auch einmal einer — nachdem man ihm gesagt hatte, es gebe keine weissen Schlangen dort — Schlangen bannen. Schon hatte er eine Masse Schlangen zum Gehorsam gezwungen. Sie mussten ihm bergauf zu einer Höhle folgen, wo er sie einsperren wollte.
Da kam die Königin, eine milchweisse riesige Otter, mit dem goldenen Krönlein auf dem Kopf und mit zornfunkelnden Augen. Diese wurde von zwei anderen Schlangen, Kupferottern, getragen. Der Schlangenbanner schrie, als er sie bemerkte: «Nun bin ich verloren!» Und richtig: auf ein Zeichen der Königin fielen alle Schlangen über ihn her und schleissten das Fleisch von seinen Knochen.
In der gleichen Alp sog eine Schlange einen ganzen Sommer hindurch eine Kuh. Diese Kuh ging zur Melkzeit zu einem grossen Stein, unter welchem die Schlange hervorkroch und ihr die Milch aussog. Die Schlange konnte endlich im Herbst erlegt werden. Sie war so dick und so rund wie ein «Tschutt» (Schaf).
J. Vetsch. Ds Goldbrünneli. Eine Sagensammlung aus Klosters und Umgebung. Klosters1982, © J. Vetsch.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch