Mutabor Märchenstiftung

Fachwissen, Kompetenz, kulturelle Vielfalt

 

 

Der Marchensetzer

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Region: Prättigau
Kategorie: Sage

Ein Bauer war eines Abends von Klosters nach Monbiel unterwegs, um das Vieh zu füttern. Da bemerkte er an der Strasse, da, wo es «im Bündelti» heisst, einen Unbekannten, der an einem Marchstein herumhantierte. Als der Monbieler den Unbekannten zur Rede stellen wollte, was er hier zu schaffen habe, war der aber plötzlich verschwunden.

Der Monbieler ging weiter des Weges, sah sich aber noch um, ob ihm der andere nicht etwa folge. Da sah er, dass die sonderbare Gestalt wieder am Marchstein beschäftigt war. Nun glaubte er voller Überzeugung, den Unbekannten von seinem frevelhaften Tun abhalten zu dürfen und zu müssen, kehrte schnell um und packte ihn.

Der aber verschwand wieder wie weggeblasen. Stattdessen konnte er selber sich nicht mehr von der Stelle bewegen und musste dortbleiben, festgebannt, bis die Glocke am Morgen den Tag verkündete. Er kam mit einem furchtbar geschwollenen Gesicht heim und musste wegen eines heftigen Fiebers viele Wochen lang das Bett hüten.

J. Vetsch. Ds Goldbrünneli. Eine Sagensammlung aus Klosters und Umgebung. Klosters 1982, © J. Vetsch

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch