Goldadern im Gebirge der Casanna
Einmal flüchtete der Zusenn in der Alp Casanna vor einem Gewitter unter einen schützenden Felsen. Er wartete dort, bis der Regen vorüber war. Als er in die Hütte zu seinen Kameraden zurückkehrte, fanden diese zu ihrem grossen Erstaunen etliche Tropfen massiven Goldes an seinem Hut kleben. Diese Spuren eines köstlichen Bodenschatzes mussten ihm, als er unter dem Felsen gestanden hatte, von oben herab sachte auf den Hut getröpfelt sein.
Die Höhle, welche ihn im Unwetter ausgenommen hatte, war aber nachher nicht mehr ausfindig zu machen.
Ein armer Mann hat in jenem Gebiet auch einmal eine Goldader entdeckt. Zwei Mal holte er von dem Gold und wurde reich davon. Als er hingegen zum dritten Mal das Gebirge der Casanna aufsuchte und noch mehr Gold haben wollte, konnte er seine Fundgrube unmöglich wieder finden. Traurig verliess er den Ort, da hörte er eine Stimme, die ihm nachrief:
«Wenn du mit dem, was du bereits gefunden hast, gut umgehst, hast du und alle deine Nachkommen genug!»
Das nahm er sich denn auch zu Herzen.
J. Vetsch. Ds Goldbrünneli. Eine Sagensammlung aus Klosters und Umgebung. Klosters 1982, © J. Vetsch
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch