Geisshirt Flury aus dem Gmür
Mitten im Dorf Serneus steht ein altes Haus, das «Gmür» (Gemäuer) genannt. Es fällt schon von weitem auf, weil es im Gegensatz zu den Holzhäusern der Walser mit Stein gebaut wurde.
Da wohnte einst ein Geisshirt namens Flury. Zu diesem Flury kamen einmal Venediger, als er im Drostobel die Geissen hütete. Sie gaben ihm eine zinnene Kanne und sagten ihm dazu, er solle sie an der und der Stelle so in die Erde graben, dass sie sich tropfenweise mit Quellwasser fülle. Ferner verabreichten sie ihm einen hölzernen Schlägel, um die Erde darüber zu klopfen, damit das Gefäss kein Mensch erblicke. Sei dies geschehen, so solle er den Schlägel an der nächsten Tanne aufhängen und ihn nie aus den Augen verlieren. Wenn er es so halte, werde sich die Kanne mit Goldsand füllen. Sobald sie voll sei, soll er sie leeren, und auf diese Weise werde sich die Kanne immer wieder füllen. Den Goldsand solle er ihnen aber nach Venedig schicken, sie würden ihn dafür reich belohnen.
Flury tat das alles. Selbst von der Kirche zu Serneus aus schaute er nach dem an der Tanne aufgehängten Schlägel. Währenddem füllte sich die Kanne von selbst mit Gold. Flury wurde durch die Venediger ein sehr reicher Mann und starb als solcher. Lange Zeit nachher fand man in seinem Haus noch etliche dreikantige Goldstücke von fremdem Gepräge.
J. Vetsch. Ds Goldbrünneli. Eine Sagensammlung aus Klosters und Umgebung. Klosters 1982, © J. Vetsch
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch