Mutabor Märchenstiftung

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Der starke Grass

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Region: Prättigau
Kategorie: Sage

Zwei junge Burschen waren in einem Waldweg damit beschäftigt, ein schweres «Block» auf einen Bockschlitten zu laden, konnten es aber einfach nicht zustande bringen. Da kam der starke Grass des Weges und sah sich die Sache an. Dann sagte er: «Wartet nun, Buabjeni, i will ni dän schon laden». Damit schritt er an das Block heran, schlug seine Axt stirnholz hinein und hob das schwere Block mit Leichtigkeit auf den Schlitten. Nach getaner Arbeit ging Grass weiter.

Dieser Grass war ein älterer, noch lediger Bursche. Eines Abends befand er sich zu recht später Stunde auf dem Nachhauseweg. Da sah er in einem Haus noch Licht und dachte, es wäre «Hengert» (Abendunterhaltung). Grass guckte deshalb ein wenig zum Fenster hinein, was aber der junge Bursche, welcher drinnen beim Mädchen sass, nicht leiden mochte. Der meinte, aufgrund seines stattlichen Körperwuchses niemand fürchten zu müssen, kam schnell heraus und sprang dem Grass auf den breiten Rücken. Grass indessen griff mit seinen beiden grossen Händen gemächlich rückwärts nach den beiden Gesässmuskeln seines Gespielen, und zwar so fest, dass jener laut aufschrie und ihn flehentlich bat, er möchte ihn doch wieder loslassen. Grass hingegen hatte es gar nicht eilig, und er liess ihn erst wieder los, nachdem er ihn ein gutes Wegstück mit hinuntergetragen hatte. Dann drehte Grass den Kopf ein wenig zur Seite und meinte: «Ds nächscht Mal luogsch dänn, wäm't uf dän Rügg springscht».

J. Vetsch. Ds Goldbrünneli. Eine Sagensammlung aus Klosters und Umgebung. Klosters 1982, © J. Vetsch

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch